Geburtshilfe

Jahre nach der Entbindung ...
In der Psyche bleiben Spuren zurück

Eine Entbindung ist eine einschneidende Lebenserfahrung. Die Erinnerung daran kann positiv oder negativ besetzt sein. Dieser Nachhall ist noch nach vielen Jahren nicht verklungen.

Quelle: Bossano CM et al.: The maternal childbirth ... Am J Obstet Gynecol 2017; 217: 342.e1-8

Kaiserschnittrate
Die Kurve flacht ab

In industrialisierten Ländern kommen zu viele Kinder per Sectio zur Welt, moniert die WHO immer wieder. Nun wurden die weltweiten Trends bzgl. der Kaiserschnittrate aktualisiert, und man sah, dass heutzutage die Rate in den meisten untersuchten Ländern langsamer ansteigt.

Quelle: Declercq E et al.: The plateauing of cesarean rates in ... Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 322-3

Drug targeting im Tiermodell
Zielgerichtete Wehenhemmung mit Liposomen

Durch die Kopplung an spezifische Liganden könnten sich systemische Nebenwirkungen von Tokolytika und Uterotonika künftig reduzieren lassen.

Quelle: Paul JW et al.: Drug delivery to the human ... Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 283.e1-14

Spätgebärende
Weheninduktion oder Abwarten?

Bei Schwangeren über 35 Jahren steigt das Risiko für perinatale Todesfälle. Die Weheninduktion könnte diese Gefahr reduzieren. Wie eine britische Studie belegte, geht das nicht auf Kosten einer höheren Sectiorate.

Quelle: Walker KF et al.: Randomized trial of labor induction in women ... N Engl J Med 2016; 374: 813-22

Vaginale Entbindung bei Zwillingsschwangerschaft
Nicht nur bei Schädellage beider Kinder

Nach wie vor ist die elektive Sectio-Rate bei Zwillingsgeburten hoch – obwohl zahlreiche Studien die Sicherheit eines vaginalen Entbindungsversuchs bei Schädellage des ersten Kinds belegen. Wie groß der Einfluss der Lage des zweiten Feten ist, untersuchte jetzt eine US-amerikanische Studiengruppe.

Quelle: Easter SR et al.: Fetal presentation and successful twin ... Am J Obstet Gynecol 2016; 214: 116.e1-10

Weheneinleitung wird überall häufiger
Effektivität und Kosten verschiedener Methoden

In verschiedenen europäischen Ländern, wie auch in den USA und Australien, wurde die Weheneinleitung während der letzten zwei Jahrzehnte immer häufiger angewandt (in England ist mehr als eine von fünf Entbindungen betroffen). Es gibt diverse Möglichkeiten für diesen Zweck, die sich u. a. in Erfolgsraten und Komplikationshäufigkeit unterscheiden.

Quelle: Alfirevic Z et al.: Methods to induce labour: a systematic review, network meta-analysis and cost-effectiveness analysis. BJOG 2016; 123: 1462-70

Vaginale Entbindung HIV-infizierter Mütter
Wenig vertikale Transmissionen

Vor Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie galt die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind als wahrscheinlicher, wenn der Blasensprung mehr als vier Stunden vor der Geburt erfolgte. Bei einer geringen Viruslast scheint das aber keine Rolle zu spielen, wie nun gezeigt wurde.

Quelle: Peters H et al.: Duration of ruptured membranes and mother-to-child HIV transmission: a prospective population-based ... BJOG 2016; 123: 975-81

Schmerztherapie in Eigenregie
Lachgas gegen Geburtsschmerzen

Das Einatmen eines Lachgas-Sauerstoffgemisches kann Wehenschmerzen schnell und effektiv reduzieren, ohne das Erlebnis der Geburt zu beeinträchtigen. Die Therapie gilt als sicher und kann von der Gebärenden selbst gesteuert werden.

Quelle: Fachpressekonferenz:
„Das wäre doch gelacht! Lachgas-Sauerstoff-Gemisch im Kreißsaal.“, Hamburg, 12.5.2016, Veranstalter: Linde
Lachgas/Sauerstoff: Livopan®

 

Ein alter Bekannter kommt in der Geburtshilfe zu neuen Ehren
Peripartale Blutung: Mit dem Schockindex das Outcome der Mütter einschätzen

Der aus der Notfallmedizin bekannte und einfach zu bestimmende Schockindex zeigt besser als andere Vitalparameter, wann Wöchnerinnen durch eine Blutung gefährdet sind.

Quelle: Nathan HL et al.: Shock index: an effective predictor of outcome in postpartum haemorrhage? BJOG 2015; 122: 268-75

Vakuumextraktion
Zugkräfte nicht unterschätzen!

Übermäßige Zugkräfte sind bei einer Saugglockenentbindung zu vermeiden, empfehlen die geltenden Leitlinien. Welche Kräfte dabei tatsächlich wirken und wie diese das Komplikationsrisiko beeinflussen, untersuchten schwedische Wissenschaftler.

Quelle: Pettersson K et al.: Traction force during vacuum extraction: a prospective observational study. BJOG 2015; 122: 1809-16

Anämie nach postpartalen Blutungen
Transfusionswahrscheinlichkeit vorhersagen

Während der Akutphase einer postpartalen Hämorrhagie sind Bluttransfusionen oft unvermeidbar. Eine weiterhin bestehende Anämie kann man auch durch Eisen- und/oder Folsäurepräparate in den Griff bekommen. Niederländische Wissenschaftler entwickelten ein Modell zur Prognose, wann ein hohes Risiko einer Notfalltransfusion besteht.

Quelle: Prick BW et al.: Prediction of escape red blood cell transfusion in expectantly managed women with acute anaemia after postpartum haemorrhage. BJOG 2015; 122: 1789-97

Sectio in der Austreibungsphase
Besser Pull als Push

Sectiones bei vollständig eröffnetem Muttermund können sich technisch extrem schwierig gestalten, wenn der kindliche Kopf tief im kleinen Becken der Mutter feststeckt. Welche Strategie in dieser Situation am meisten Erfolg verspricht, versuchten britische Gynäkologen anhand einer Metaanalyse herauszufinden.

Quelle: Jeve YB et al.: Comparison of techniques used to deliver a deeply impacted fetal head at full dilation: a systematic review and meta-analysis. BJOG 2016; 123: 337-45

Info-Qualität auf Webseiten
„Sectio" besser nicht googeln

Weltweit steigen die Sectioraten an. Spitzenreiter ist Brasilien mit einer Rate von über 50% im Jahr 2010. Über die Risiken wissen die Patientinnen aber häufig nur wenig. Im Internet können sie sich über Kaiserschnitt & Co. informieren, aber wie verlässlich sind diese Informationen?

Quelle: Fioretti BTS et al.: Googling caesarean section: a survey on the quality of the information available on the internet. BJOG 2015; 122(5): 731-9

Gewebeschäden nach der Geburt
Verletzungen im MRT sichtbar

Bei der Geburt wird das Beckenbodengewebe enorm beansprucht, was häufig zu Verletzungen führen kann. In einer aktuellen Studie wurden die postpartalen Heilungsraten per MRT unter die Lupe genommen.

Quelle: Miller JM et al.: Evaluating maternal recovery from labor and delivery: bone and levator ani injuries. Am J Obstet Gynecol 2015; 213(2): 188e1-11

Einfluss des Entbindungsmodus
Nach Schulterdystokie lässt neue Konzeption auf sich warten

Studien weisen darauf hin, dass eine Sectio die künftige Fertilität beeinträchtigt. In einer großen dänischen Kohortenstudie war der beobachtete Effekt aber nur minimal.

Quelle: O´Neill SM et al.: Time to subsequent live birth according to mode of delivery in the first birth. BJOG 2015; 122: 1207-15

Elektive Sectio
Späterer Termin ist theoretisch besser – aber praktisch?

Zahlreiche Studien belegen, dass eine geplante Sectio vor der 39. SSW mit einem höheren Morbiditätsrisiko für das Kind verbunden ist. Im Klinikalltag scheint eine entsprechende Anpassung der Richtlinien die fetale Prognose jedoch kaum zu beeinflussen.

Quelle: Hutcheon JA et al.: Maternal and neonatal outcomes ... BJOG 2015; 122: 1200-6

Glaubensfrage Dammschutz
„Hands on" oder „Hands off"

Kann aktiver Dammschutz tatsächlich vor Analsphinkterverletzungen bewahren? Eine britische Metaanalyse fand auf diese Frage keine eindeutige Antwort.

Quelle: Bulchandani S et al.: Manual perineal support at the time of childbirth: a systematic review and metaanalysis. BJOG 122 (2015) 1157-65

Sectio-Diskussion
Viele kluge Fragen

Die Sectio-Rate an US-Kliniken variiert sehr und ist möglicherweise nicht immer nur durch medizinische Indikationen getrieben. Das fand ein aktueller Artikel im Journal „PLoS Med“ heraus. Nun parierte ein UK-Gynäkologe und stellte die richtigen Fragen ... und das Studienergebnis infrage.

Quelle: Smith GCS: Variation in caesarean section rates in the US: outliers, damned outliers, and statistics. PLoS Med 2014; 11(10): e1001746

Dyspareunie nach Geburt
Sowohl Not- als auch Wunsch-Sectio erhöht Risiko persistierender Schmerzen

Geburtshilfliche Interventionen können langfristig das Sexualleben beeinflussen. Dass es dabei auf den Geburtsmodus ankommt, belegte nun eine australische Langzeitstudie.

Quelle: McDonald EA et al.: Dyspareunia and childbirth: a prospective cohort study. BJOG 2015; 122: 672-9

Perinatales Risiko
Geplante Hausgeburt trotz Kontraindikation

Hausgeburten werden immer beliebter. Aber nicht jede Patientin ist dafür geeignet. Trotzdem werden die von der US-amerikanischen Fachgesellschaft festgelegten Kontraindikationen aber oft nicht berücksichtigt.

Quelle: Grünebaum A et al.: Perinatal risks ... Am J Obstet Gynecol 2015; 212(3): 350.e1-6

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum