Urologie

Diagnose des Harnwegsinfektes
Ohne U-Stix und Urinkultur?

Urinstreifentests und eine bakteriologische Untersuchung des Mittelstrahlurins gelten als der Goldstandard bei der Diagnose von Harnwegsinfekten (HWI). Aber es gab auch schon immer Bedenken ob der Verlässlichkeit dieser Methoden. Deshalb präferieren viele Autoren bei Verdacht auf HWI eine mikroskopische Untersuchung des Urins mit Zählung der Leukozyten (Pyurie-Nachweis). Ob vielleicht aber auch eine etwas umfangreichere Anamnese ausreicht, um Patientinnen mit HWI zu identifizieren, prüften nun britische Nephrologen mit einem aus 39 Fragen bestehendem HWI-Anamnesebogen.

Quelle: Khasriya R et al.: Lower urinary tract symptoms that predict microscopic pyuria. Int Urogynecol J 2017; doi: 10.1007/s00192-017-3472-7

Harninkontinenz
Erste Wahl: Beckenboden- und Blasentraining

Das American College of Physicians (ACP) stellte Leitlinien für die klinische Praxis zur Behandlung der weiblichen Harninkontinenz vor.

Quelle: Culbertson S et al.: Nonsurgical management of urinary incontinence in women. JAMA 2017; 317: 79-80

Zystitis & Co.
Harnwegsinfekte nicht unterschätzen

Infektionen des unteren Harntrakts sind die häufigste nicht-gynäkologische Indikation für einen Arztbesuch in der Schwangerschaft. Britische Mediziner fassten die Empfehlungen für die Primärversorgung zusammen.

Quelle: Johnston CL et al.: A likely urinary tract infection in a pregnant woman. BMJ 2017; 357: j1777 doi: 10.1136/bmj.j1777

Stressinkontinenz
Nadeln gegen Harnverlust?

Die Belege dafür, dass Elektroakupunktur den Urinverlust bei Stressinkontinenz verringert, sind bislang eher dünn. Mehr Evidenz brachte eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie aus China.

Quelle: Liu Z et al.: Effect of electroacupuncture on urinary leakage among ... JAMA 2017; 317: 2493-501

Inkontinenz-Abklärung
Geringere Bakterienvielfalt bei Drang

Dass das Mikrobiom der Harnblase bei der Dranginkontinenz eine Rolle spielt, gilt inzwischen als erwiesen. US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten, ob das auch für die Stressinkontinenz gilt.

Quelle: Thomas-White KJ et al.: Evaluation of the urinary ... Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 55.e1-16

Hysterektomie
Nicht nur Übergewicht erhöht postoperatives Inkontinenzrisiko

Schwedische Wissenschaftler beschäftigten sich mit der Frage, welche Faktoren die Kontinenz nach einer Hysterektomie beeinflussen. Sie fanden einige deutliche positive und negative Assoziationen.

Quelle: Bohlin KS et al.: Factors influencing the incidence and remission of urinary incontinence after hysterectomy. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 53.e1-9

Harninkontinenz durch Uterus-Neubildung
Myom oder Sarkom?

Sowohl ein großes Myom als auch ein Leiomyosarkom können Miktionsbeschwerden verursachen. Wächst das Geschwulst in der Postmenopause weiter, sollte man an das seltene Uterussarkom denken, wie ein Fallbericht nun zeigte.

Quelle: Wright JD et al.: Case 16-2017: A 69-year-old woman with ... N Engl J Med 2017; 376: 2066-73

Stressinkontinenz
Was leistet das Transobturator-Tape?

Die verschiedenen Formen von tension-free vaginal tapes (TVT) haben schon lange einen festen Platz in der Therapie der weiblichen Stressinkontinenz. In jüngster Zeit wird oft die Transobturator-Variante bevorzugt – zu Recht?

Quelle: Karmakar D et al.: Long-term outcomes of transobturator tapes in ... BJOG 2017; 124: 973-81

Evidenzbasiertes Management in der Praxis
Was tun gegen Blasenschmerzen?

Ein Expertenkomitee des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG) veröffentlichte Leitlinien zur Diagnose und Therapie des Harnblasenschmerzsyndroms.

Quelle: Tirlapur SA et al.: Management of bladder pain syndrome. BJOG 2016; 124: e46–e72

Harninkontinenz
Lieber nicht zum Arzt

Bis zu 25% aller Frauen weltweit leiden an Harninkontinenz. Trotz der oft hohen Belastung suchen aber nur wenige Betroffene frühzeitig einen Arzt auf. Eine Arbeitsgruppe versuchte herauszufinden, woran das liegt.

Quelle: Huang KC: Health care-seeking behaviors among women suffering from urinary incontinence. Yoga Phys Ther 2016; 5: 223

Single-Incision-Schlinge (SIS)
Wie sehr sind die Gefäße in Gefahr?

Zwischen 20 und 40% aller Frauen leiden in ihrem Leben unter einer Belastungsinkontinenz. Die TVT (tension-free vaginal tape) ist eine etablierte Behandlungsmethode. Das Band kann dabei retropubisch oder transobturatorisch eingebracht werden. Grundsätzlich besteht dabei aber die Gefahr, dass Blutgefäße bei der Blindpassage verletzt werden. Bei den neueren Single-Incision-Schlingen (SIS) soll dieses Risiko geringer sein. Nun untersuchte man, wie sehr man sich bei SIS-Prozeduren mit dem Spieß bzw. Anker tatsächlich den Gefäßen nähert.

Quelle: O‘Boyle AL et al.: Anatomic relation between single- incision slings and the obturator vessels. Proc (Bayl Univ Med Cent) 2017; 30: 154-6

Rezidivierender Harnwegsinfekt
Der Wert von Nitrofurantoin

40 bis 50% aller Frauen erleiden mindestens einmal im Leben eine unkomplizierte Zystitis. Bei 20 bis 30% kommt es zum Rezidiv, häufig innerhalb der folgenden sechs Monate. Nitrofurantoin (NF) ist eine Antibiotika-ähnliche Substanz, die sehr spezifisch im Harntrakt wirkt. Das Problem der Resistenzentwicklung ist bei Nitrofurantoin wesentlich geringer ausgeprägt als bei herkömmlichen Antibiotika. Daher, so hypothetisierten die Autoren dieser Metaanalyse, ist die Substanz bei der Therapie von Harnwegsinfekten (HWI) überlegen. Die Daten der Auswertung zeichneten allerdings ein anderes Bild: Den Einsatz von Nitrofurantoin sollte man sich besser gut überlegen.

Quelle: Price JR et al.: Nitrofurantoin vs other prophylactic agents in reducing recurrent urinary tract infections in adult women: a systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol 2016; 215: 548-60

Hämaturie
Ist's ein Tumor?

Eine Mikrohämaturie hat gerade bei Frauen meistens harmlose Ursachen. In bestimmten Fällen kann sich dahinter jedoch ein urologischer Tumor verbergen. Nur wann?

Quelle: Lippmann QK et al.: Evaluation of microscopic hematuria and risk of urologic cancer in female patients. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 146.e1-7

Kontroverse zur Netzimplantation
Bei Inkontinenz mit Netz, bei Prolaps besser ohne operieren

Stressinkontinenz (stress urinary incontinence, SUI) und Beckenorganprolaps (pelvic organ prolapse, POP) sind bei insbesondere älteren Frauen für ein hohes Maß an Morbidität verantwortlich – das Lebenszeitrisiko bis zum Alter von 80 Jahren, sich einem entsprechenden operativen Eingriff unterziehen zu müssen, beträgt etwa 1 zu 5 bis 8. Für den Einsatz von synthetischen Netzen bei diesen Operationen ist bezüglich Erfolgsraten und Komplikationen die Datenlage nach wie vor kontrovers. Nun wurde eine der größten Kohorten zu diesem Thema in Schottland retrospektiv untersucht, und die Autoren fanden klare Worte zu Inkontinenz- und POP-Operationen mit und ohne Netzimplantation.

Quelle: Morling JR et al.: Adverse events after first, single, mesh and non-mesh surgical procedures for stress urinary incontinence and pelvic organ prolapse in Scotland, 1997–2016: a population-based cohort study. Lancet 2016; Epub Dec 20; pii: S0140- 6736(16)32572-7

Cranberry-Kapseln
Ohne Wirkung

Eine Bakteriurie oder Pyurie findet man bei älteren Frauen, die in Heimen versorgt werden, häufig. Zur Wirksamkeit von Cranberry- Präparationen in dieser Population gab es bislang kontroverse Studienergebnisse. Nun wurde eine methodisch gute Arbeit veröffentlicht und untermauerte die Erkenntnis, dass Cranberry wohl kaum wirksam ist.

Quelle: Juthani-Mehta M et al.: Effect of cranberry capsules on bactriuria plus ... JAMA 2016; 316: 1879-87

Urethral-Koitus
Eine ungewöhnliche Inkontinenz-Ursache

Eine 38-jährige Patientin stellte sich wegen Harninkontinenz und Dyspareunie in einer Klinik in Teheran vor. Bei der Untersuchung fand man unauffällige sekundäre Geschlechtsmerkmale, aber anstelle einer Vagina wies die Patientin eine Megalourethra auf, mit der sie jahrelang urethralen Koitus vollzogen hatte. Als zugrunde liegende Erkrankung stellte sich ein Mayer-Rokitansky-Kuster-Hauser-Syndrom (MRKH) heraus.

Quelle: Sharifiaghdas F et al.: An unusual cause of urinary incontinence: ... Investig Clin Urol 2016; 57: 367-71

Überaktive Blase
Es müssen nicht immer Antimuskarinika sein

Die häufigste Therapieoption bei der Reizblase sind Muskarinrezeptor-Antagonisten – trotz oftmals schlechter Akzeptanz und hoher Nebenwirkungsrate. Ein US-amerikanisches Expertenteam fasste jetzt die Behandlungsalternativen und die Evidenz für die Wirksamkeit von nicht-antimuskarinergen Therapieoptionen zusammen.

Quelle: Olivera CK et al.: Nonantimuscarinic treatment for overactive bladder: a systematic review. Am J Obstet Gynecol 2016; 215: 34-57

Beckenbodentraining mit elektrischen Impulsen

Studien zufolge kommt Blasenschwäche öfter vor als Heuschnupfen. Rund die Hälfte aller betroffenen Frauen hat sich deswegen allerdings niemals an einen Arzt gewandt und etwa ein Viertel fühlt sich durch das Problem im Sexualleben eingeschränkt.

Die Ursachen der Blasenschw...

Inkontinenz-Prophylaxe
Sectio schützt, teilweise

Dass eine Entbindung mittels Kaiserschnitt seltener als vaginale Entbindungen zur Harninkontinenz führt, wurde schon gezeigt. Wie aber sieht es mit der Langzeit-Inkontinenz aus? Und was ist mit Patientinnen, die mal vaginal und mal per Sectio entbinden? Antworten darauf lieferte nun eine Studie, die man kennen sollte, um Frauen bzgl. des Geburtsmodus optimal beraten zu können.

Quelle: MacArthur C et al.: Urinary incontinence persisting after childbirth: extent, delivery history, and effects in a 12-year longitudinal cohort study. BJOG 2016; 123: 1022-9

Stressinkontinenz bei Älteren
Schlingen-OP zu selten durchgeführt

Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit der Stress-Harninkontinenz bei Frauen zu. Von den seit 20 Jahren zur Verfügung stehenden, wenig invasiven Schlingen-Techniken zur Behebung der Störung scheinen ältere Frauen wenig zu profitieren.

Quelle: Gibson W et al.: Are older women likely to receive surgical treatment for stress urinary incontinence since the introduction of the mid-urethral sling? An examination of Hospital Episode Statistics data. BJOG 2016; 123: 1386-1392

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