Gyn-Depesche 5/2006

In-vitro-Fertilisation

Mehr Schwangerschaften durch Blastozysten-Transfer?

Um die Zahl von Mehrlingsgeburten nach IVF und die damit verbundenen Risiken zu reduzieren, wird zunehmend die Übertragung eines einzelnen Embryos empfohlen. Dies geht jedoch auf Kosten der Erfolgsrate – weshalb die Akzeptanz bislang relativ gering ist. Höhere Erfolgsraten verspricht man sich von der Übertragung einzelner Embryonen im Blastozysten-Stadium.

In der Annahme, dass sich Blastozysten besser beurteilen lassen, wurden in Bel gien prospektiv und randomisiert die Schwangerschafts- und Geburtenraten nach Transfer eines einzelnen Embryos im Furchungsstadium (Tag 3 nach Befruchtung) oder im Blastozysten-Stadium (Tag 5) untersucht. Es nahmen 351 infertile Frauen unter 36 Jahren teil, die sich einem ersten oder zweiten IVF- oder ICSI-Zyklus unterziehen wollten. Ihr FSH-Serumspiegel durfte am dritten Tag des Menstruationszyklus nicht mehr als 12 IU/l betragen. Die ovarielle Stimulation erfolgte mittels GnRH-Antagonist und rekombinantem FSH. Waren mindestens drei Follikel à 17 mm sichtbar, wurden 10 000 IU HCG gegeben sowie die Lutealphase mit 600 mg/d mikronisiertem Progesteron intravaginal unterstützt.

Die Qualität der Embryonen war in beiden Gruppen vergleichbar: 70% der Blas tozysten und 65% der drei Tage alten Embryonen stammten aus der besten von vier Kategorien, die schlech tes te wurde nicht verwendet (Blastozysten-Beurteilung nach Gardner und Schoolcraft anhand von Ausmaß der Ausdehnung der Blastozyste, Ausbildung der inneren Zellansammlung und Entwicklung des Trophoektoderms. In elf von 169 Fällen standen nach der Kultivierung keine Blasto zysten zum Transfer zur Verfügung. Nur eine dieser Frauen hätte am dritten Tag einen Embryo erhalten können. An Embryonen für einen Transfer am Tag 3 mangelte es acht von 171 Frauen. Insgesamt kam es dreimal zu einem frühen ovariellen Überstimulations-Syndrom.

Die Ergebnisse sprachen für den Blastozysten-Transfer: Zu einer Schwangerschaft im Sinne eines positiven HCG-Tests kam es bei 41,7% der Frauen in der Blastozysten- und bei 33,5% in der Kontrollgruppe. Bei einer geplanten Interimsanalyse wurde die für doppelt so viele Frauen geplante Studie daher gestoppt. Nach einem Abbruch in der 15. SSW wegen fetaler Anenzephalie und einer Fehlgeburt in der 13. SSW, beide in der Blastozysten-Gruppe, kam es zu 56 bzw. 38 Lebendgeburten. In der Kontrollgruppe kamen zweimal eineiige Zwillinge zur Welt.

Die Ergebnisse der belgischen Studie sind ermutigend, lassen sich jedoch nur auf einen Teil der infertilen Paare übertragen. Die Einschlusskriterien – Frauen unter 36 Jahren mit niedrigem FSH am dritten Zyklustag, die einen ersten oder zweiten IVF- oder ICSI-Versuch unternahmen – treffen z. B. in puncto Alter in den USA auf weniger als die Hälfte der betroffenen Frauen zu. Außerdem bestehen Bedenken, dass eine längere In-vitro-Kultivierung der Embryonen mit einer höheren Rate epigenetischer Defekte assoziiert sein kann – d. h. Schäden, die nicht durch Mutationen, sondern veränderte Genexpression verursacht werden. Dies konnte die Studie nicht klären. Größere Fallzahlen und längere Beobachtung sind nötig.
Quelle: Schieve, LA: The promise of single-embryo transfer, Zeitschrift: NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE, Ausgabe 354 (2006), Seiten: 1190-1192: , Zeitschrift: , Ausgabe ()


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