Geburtshilfe

Sectio
Keine postoperative Schmerzlinderung durch präoperatives Paracetamol
US-amerikanische Forscher testeten, ob die präoperative i.v.-Administration von Paracetamol den Opioidbedarf nach einer Sectio reduzieren kann.
Towers CV et al.: Preoperative cesarean delivery intravenous acetaminophen treatment for postoperative pain ... Am J Obstet Gynecol 2018; 218: 353.e1-4
Unerwünschter Schwangerschaftsausgang
Ein Unglück prädisponiert für das nächste
Nach einer Totgeburt, Frühgeburt oder intrauterinen Wachstumsrestriktion wächst in der nächsten Schwangerschaft die Gefahr ähnlicher Komplikationen.
M Malacova E et al.: Risk of stillbirth, preterm delivery, and fetal growth restriction following exposure in a previous birth: systematic review and meta-analysis. BJOG 2018; 125: 183-92
Plazentophagie
Essen oder vergraben?
Die willentliche Ingestion der Plazenta nach der Geburt ist bei Säugetieren nichts Ungewöhnliches – beim Menschen heutzutage aber schon. Einer anthropologischen Theorie nach hörte Homo erectus vor etwa zwei Mio. Jahren mit der so genannten Plazentophagie auf, weil das Feuer entdeckt wurde: Die Mutter und das Neugeborene sollten möglicherweise so vor der Aufnahme von durch das offene Feuer entstehenden Verbrennungstoxinen über die Plazenta geschützt werden. Aber das ist nur Theorie. In der heutigen Praxis fragen immer mehr Schwangere ihre Gynäkologen, ob Plazentophagie zu empfehlen sei. Prominente „Vorbilder“ tragen ein übriges zu dem (vor allem in den USA grassierenden) Hype bei. Aber welche wissenschaftlichen Daten gibt es – über die zahlreich vorhandenen Mythen hinaus – zur Plazentophagie? Kann man seinen Patientinnen das empfehlen? Die wissenschaftliche Sicht auf das Thema ist eindeutig.
Farr A et al.: Human placentophagy: a review. Am J Obstet Gynecol 2018; 218: 401.e1-401
Placenta percreta
Sectio ohne Blutverlust
Bei einer Placenta percreta kommt es durch die Hysterektomie in der Regel zu hohem Blutverlust. Texanische Geburtshelfer beschreiben eine neue OP-Methode, mit der dies vermieden wird.
Belfort MA et al.: Minimizing blood loss at cesarean- hysterectomy for placenta previa percreta. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 78.e-2
HIV
Kombinationstherapie lässt Fertilität steigen

Dank der antiretroviralen Kombinationstherapie (cART) hat sich der Gesundheitszustand HIV-infizierter Frauen in den letzten 20 Jahren erheblich verbessert. Das wirkt sich auch auf die Schwangerschaftsraten aus, wie eine US-amerikanische Langzeitstudie zeigt.

Quelle: Haddad LB et al.: Trends of and factors associated with live-birth and abortion rates among HIV-positive and HIV-negative women. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 71.e1-16

Nabelpflege
Wasser und Seife reichen aus

In Entwicklungsländern reduziert eine antiseptische Nabelbehandlung das Omphalitisrisiko und die Säuglingssterblichkeit erheblich. Unter den guten hygienischen Bedingungen in westlichen Industrienationen macht dies weniger Sinn.

Quelle: Gras-Le Guen C et al.: Dry care versus antiseptics for umbilical ... Pediatrics 2017; 139: e20161857

Sectio bei Adipösen
Antibiotikaprophylaxe reduziert Wundinfektionen

Adipositas erhöht das Risiko von Wundinfektionen nach einer Sectio. Eine zusätzliche postoperative Antibiotikaprophylaxe könnte dem entgegenwirken.

Quelle: Valent AM et al.: Effect of post-cesarean delivery oral cephalexin and metronidazole on surgical site infection among obese women: A randomized clinical trial. JAMA 2017; 318: 1026-34

Kostaufbau nach Sectio
Wann wieder essen?

Wie schnell sollten Mütter nach einer elektiven Sectio wieder Nahrung zu sich nehmen? Malaysische Forscher haben das versucht, randomisiert zu klären.

Quelle: Tan PC et al.: Immediate compared with on-demand ... BJOG 2017; 124: 123-31

Tokolyse bei äußerer Wendung der Beckenendlage
Tokolyse mit Fenoterol oder Atosiban?

Bei einer Beckenendlage am Termin kann man eine äußere Wendung versuchen. Eine Arbeitsgruppe aus den Niederlanden hat untersucht, mit welchem Tokolytikum der beste Wendungserfolg zu erzielen ist.

Quelle: Velzel J et al.: Atosiban versus fenoterol ... BMJ 2017; 356: i6773. doi: 10.1136/bmj.i6773

Jahre nach der Entbindung ...
In der Psyche bleiben Spuren zurück

Eine Entbindung ist eine einschneidende Lebenserfahrung. Die Erinnerung daran kann positiv oder negativ besetzt sein. Dieser Nachhall ist noch nach vielen Jahren nicht verklungen.

Quelle: Bossano CM et al.: The maternal childbirth ... Am J Obstet Gynecol 2017; 217: 342.e1-8

Kaiserschnittrate
Die Kurve flacht ab

In industrialisierten Ländern kommen zu viele Kinder per Sectio zur Welt, moniert die WHO immer wieder. Nun wurden die weltweiten Trends bzgl. der Kaiserschnittrate aktualisiert, und man sah, dass heutzutage die Rate in den meisten untersuchten Ländern langsamer ansteigt.

Quelle: Declercq E et al.: The plateauing of cesarean rates in ... Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 322-3

Drug targeting im Tiermodell
Zielgerichtete Wehenhemmung mit Liposomen

Durch die Kopplung an spezifische Liganden könnten sich systemische Nebenwirkungen von Tokolytika und Uterotonika künftig reduzieren lassen.

Quelle: Paul JW et al.: Drug delivery to the human ... Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 283.e1-14

Fetale Makrosomie
Weniger Frakturen nach Weheninduktion

Über den optimalen Geburtsmodus bei einer vermuteten fetalen Makrosomie besteht Ungewissheit. Eine Metaanalyse ergab jetzt, dass eine frühzeitige Geburtseinleitung das Risiko von fetalen Komplikationen verringern kann.

Quelle: Magro-Malosso ER et al.: Induction of labour for suspected macrosomia at term in non-diabetic women: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BJOG 2017; 124: 414-21

Spätgebärende
Weheninduktion oder Abwarten?

Bei Schwangeren über 35 Jahren steigt das Risiko für perinatale Todesfälle. Die Weheninduktion könnte diese Gefahr reduzieren. Wie eine britische Studie belegte, geht das nicht auf Kosten einer höheren Sectiorate.

Quelle: Walker KF et al.: Randomized trial of labor induction in women ... N Engl J Med 2016; 374: 813-22

Vaginale Entbindung bei Zwillingsschwangerschaft
Nicht nur bei Schädellage beider Kinder

Nach wie vor ist die elektive Sectio-Rate bei Zwillingsgeburten hoch – obwohl zahlreiche Studien die Sicherheit eines vaginalen Entbindungsversuchs bei Schädellage des ersten Kinds belegen. Wie groß der Einfluss der Lage des zweiten Feten ist, untersuchte jetzt eine US-amerikanische Studiengruppe.

Quelle: Easter SR et al.: Fetal presentation and successful twin ... Am J Obstet Gynecol 2016; 214: 116.e1-10

Weheneinleitung wird überall häufiger
Effektivität und Kosten verschiedener Methoden

In verschiedenen europäischen Ländern, wie auch in den USA und Australien, wurde die Weheneinleitung während der letzten zwei Jahrzehnte immer häufiger angewandt (in England ist mehr als eine von fünf Entbindungen betroffen). Es gibt diverse Möglichkeiten für diesen Zweck, die sich u. a. in Erfolgsraten und Komplikationshäufigkeit unterscheiden.

Quelle: Alfirevic Z et al.: Methods to induce labour: a systematic review, network meta-analysis and cost-effectiveness analysis. BJOG 2016; 123: 1462-70

Vaginale Entbindung HIV-infizierter Mütter
Wenig vertikale Transmissionen

Vor Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie galt die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind als wahrscheinlicher, wenn der Blasensprung mehr als vier Stunden vor der Geburt erfolgte. Bei einer geringen Viruslast scheint das aber keine Rolle zu spielen, wie nun gezeigt wurde.

Quelle: Peters H et al.: Duration of ruptured membranes and mother-to-child HIV transmission: a prospective population-based ... BJOG 2016; 123: 975-81

Schmerztherapie in Eigenregie
Lachgas gegen Geburtsschmerzen

Das Einatmen eines Lachgas-Sauerstoffgemisches kann Wehenschmerzen schnell und effektiv reduzieren, ohne das Erlebnis der Geburt zu beeinträchtigen. Die Therapie gilt als sicher und kann von der Gebärenden selbst gesteuert werden.

Quelle: Fachpressekonferenz:
„Das wäre doch gelacht! Lachgas-Sauerstoff-Gemisch im Kreißsaal.“, Hamburg, 12.5.2016, Veranstalter: Linde
Lachgas/Sauerstoff: Livopan®

 

Ein alter Bekannter kommt in der Geburtshilfe zu neuen Ehren
Peripartale Blutung: Mit dem Schockindex das Outcome der Mütter einschätzen

Der aus der Notfallmedizin bekannte und einfach zu bestimmende Schockindex zeigt besser als andere Vitalparameter, wann Wöchnerinnen durch eine Blutung gefährdet sind.

Quelle: Nathan HL et al.: Shock index: an effective predictor of outcome in postpartum haemorrhage? BJOG 2015; 122: 268-75

Vakuumextraktion
Zugkräfte nicht unterschätzen!

Übermäßige Zugkräfte sind bei einer Saugglockenentbindung zu vermeiden, empfehlen die geltenden Leitlinien. Welche Kräfte dabei tatsächlich wirken und wie diese das Komplikationsrisiko beeinflussen, untersuchten schwedische Wissenschaftler.

Quelle: Pettersson K et al.: Traction force during vacuum extraction: a prospective observational study. BJOG 2015; 122: 1809-16

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