Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie

Gyn-Depesche 3/2021

Aktuelles zum Mammakarzinom

Im Rahmen des virtuellen Symposiums der AGO 2021 diskutierten Onkolog:innen unter anderem die Leitlinienempfehlungen zur Brustkrebstherapie sowie die seit Kurzem erweiterte Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs.
In den aktuellen Therapieempfehlungen der AGO zur loko-regionären Therapie des frühen Mammakarzinoms hat die intraoperative sonographische Lokalisation ohne Drahtmarkierung bei brusterhaltender Operation (BEO) bei nicht palpablen Läsionen den Empfehlungsgrad 1+ erhalten. Laut aktueller Studiendaten führte eine solche Technik zu einer signifikant niedrigeren intraoperativen Reexzisions- und Zweitoperationsrate sowie zu einer höheren Rate an tumorfreien Resektionsrändern. Voraussetzungen für die Anwendung dieses Verfahrens sind sonographisch eindeutig darstellbare Läsionen, ein erfahrener Operateur oder eine erfahrene Operateurin und ein uneingeschränkt zur Verfügung stehendes hochwertiges Ultraschallgerät.
Zur Deeskalation der Axillatherapie bei axillärem Lymphknotenbefall (cN+) wurde eine ultrahypofraktionierte Radiotherapie (RT) nach BEO mit einer Gesamtdosis von 26 bzw. 28,5 Gray in fünf Fraktionen über ein oder fünf Wochen mit einem Empfehlungsgrad AGO +/− empfohlen. Erwähnt wurde zudem, dass die onkoplastische brusterhaltende Operation in ausgewählten Fällen eine Mastektomie ersetzen kann und diese onkologisch gleichwertig mit einer BEO ist, während der ästhetische Outcome in ausgewählten Fällen günstiger sein kann bei einer vergleichbaren Komplikationsrate. Des Weiteren wurde im Algorithmus zur axillären Intervention bei neoadjuvanter Chemotherapie (NACT) ergänzt, dass bei anfänglichen cN+-Fällen, die nach NACT nodal-negativ werden, eine operative Deeskalation erfolgen sollte, diese aber vorerst noch im Rahmen von Studien.
Die Systemtherapie des frühen HER2(human epidermal growth factor receptor 2)- positiven Mammakarzinoms wurde durch eine anthrazyklinfreie Chemotherapie in Kombination mit einer Anti-HER2-Therapie aufgewertet. Erwähnt wurde, dass basierend auf aktuellen Studiendaten im Zusammenhang mit einer adjuvanten endokrinen Therapie bei prämenopausalen Frauen bei einem höheren Rezidivrisiko eine GnRHa (Gonadotropin- Releasing- Hormon- Analogon)-Therapie zur Ovarialfunktionssuppression unabhängig von einer vorangegangenen Chemotherapie einsetzbar ist.
Im empfohlenen Behandlungsalgorithmus des HR (Hormonrezeptor)-positivem/ HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms gilt die CDK4/6(cyclin dependent kinase 4/6)-basierte Therapie weiterhin als Standard in der First-Line mit einer minimalen Änderung in der prämenopausalen Situation im Falle des Einsatzes eines Aromatase-Inhibitors. Bei Progredienz der Erkrankung ist die Bestimmung von Biomarkern erforderlich, um passende weiterführende Behandlungsstrategien zu initiieren. So ist der Einsatz von PARP(Poly[ADP-Ribose]-Polymerase)- Inhibitoren vom BRCA(BReast- CAncer)-Gen-Keimbahnmutationsstatus abhängig, der im Blut der Patientinnen ermittelt werden kann. Der Einsatz von PI3K(Phosphoinositid-3-Kinase)- Inhibitoren richtet sich nach dem Mutationsstatus des PI3KCA-Gens im Tumorgewebe oder in der zirkulierenden Tumor-DNS (ctDNA). Die Analyse der ctDNA erfolgt dabei in Form der Liquid-Biopsie, die auf der Probenentnahme und Analyse von nicht festem biologischen Gewebe, hauptsächlich Blut, beruht.
Beim triple-negativen metastasierten Mammakarzinom (TNBC) ist zur Festlegung der Therapiestrategie eine Biomarkertestung unumgänglich. Empfohlen wird eine Immuntherapie bei entsprechendem PD-L1(programmed cell death 1 ligand 1)-Status und der Einsatz von PARP-Inhibitoren bei entsprechendem BRCA-Mutationsstatus. Ein weiterer Hoffnungsträger in der Therapie des TNBC ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sacituzumab-Govitecan, das unabhängig vom PD-L1-Status und von BRCA1/2-Keimbahnmutationen oder PALB (partner and localizer of BRCA2) in Studien zu fast einer Verdopplung des medianen Gesamtüberlebens führte. Noch ist dieser Wirkstoff jedoch nur in den USA zugelassen und in Europa nur über internationale Apotheken verfügbar. GH
ICD-Codes: C50.9
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