Präeklampsie | Gyn-Depesche 5/2018

ASS zur Prävention früh beginnen

Bisherige Studien brachten widersprüchliche Ergebnisse, ob und wie Acetylsalicylsäure (ASS) das Präeklampsie-Risiko senken kann. Eine neue Metaanalyse belegt: ASS hilft – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

In der medizinischen Literatur fanden sich 16 relevante Studien, in denen der präventive Effekt von ASS in der Schwangerschaft untersucht wurde. Das Risiko einer frühen Präeklampsie mit einer Entbindung vor der 37. SSW wurde durch die ASS-Gabe im Schnitt um 38% gesenkt. Auf die Inzidenz der späten Präeklampsie hatte ASS dagegen keinen signifikanten Einfluss. Durch weitere Subgruppenanalysen stellte sich heraus, dass ASS auch bei der frühen Präeklampsie nur dann zu einer signifikanten Risikoreduktion führte, wenn die Prävention spätestens in der 16. SSW begann und die tägliche Dosis 100 mg nicht unterschritt. Ähnliche Werte ergaben sich, als nur die acht qualitativ hochwertig eingeschätzten Studien mit knapp 8000 Teilnehmerinnen einbezogen wurden. Insgesamt zeigten alle Studien mit diesem ASS-Regime eine sehr hohe Homogenität.
Zur Prävention der Präeklampsie bei Risikopatientinnen empfehlen US-amerikanische Leitlinien derzeit 75 bis 80 mg ASS täglich, deutsche 75 bis 150 mg. Dies sollte auf mindestens 100 mg angehoben werden, forderten die Autoren der Metaanalyse. Keine Aussage lässt ihre Studie allerdings darüber zu, wie man Schwangere mit einem hohen Präeklampsie-Risiko identifiziert, die am meisten von der ASS-Gabe profitieren.
Nach aktuellem Kenntnisstand scheint eine Kombination maternaler Faktoren mit biophysikalischen und biochemischen Markern, wie sie in der großen und gut gemachten ASPRE-Studie verwendet wurde, am effektivsten zu sein. CW

Quelle:

Roberge S et al.: Aspirin for the prevention of preterm and term preeclampsia: systematic review and metaanalysis. Am J Obstet Gynecol 2018; 218: 287-93

ICD-Codes: O14.9

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