Gyn-Depesche 2/2018

Analgetika in der Schwangerschaft

Beeinträchtigt Paracetamol die Fruchtbarkeit?

Zumindest bei Ratten und Mäusen scheint eine pränatale Paracetamol-Exposition die ovarielle Reserve zu verringern. Das zeigen drei jüngst veröffentlichte Studien.

Ein Team aus dänischen und französischen Wissenschaftlern fasste die Ergebnisse von drei im Jahr 2016 publizierten Tierversuchsstudien zusammen. Alle drei belegen, dass die Paracetamol-Exposition in einem Zeitfenster von etwa 13,5 Tagen post coitum die ovarielle Entwicklung der weiblichen Nagetiere beeinträchtigen kann: Nach der Geburt war die Zahl der Primordial-Follikel signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Bei adulten Tieren zeigten sich in der Folge ein geringeres Gewicht der Ovarien, Zyklusunregelmäßigkeiten, teilweise ein komplettes Fehlen des Corpus luteums sowie niedrigere Schwangerschaftsraten. Dieser Phänotyp ähnelt der vorzeitigen ovariellen Insuffizienz beim Menschen. Er fand sich in einer Studie bereits bei Paracetamol- Dosierungen, die auch bei schwangeren Frauen eingesetzt werden (50 mg/kg). Das kritische Zeitfenster der Exposition entspricht beim Menschen dem Ende des ersten Trimenons. Da Paracetamol in der westlichen Welt zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten während der Schwangerschaft zählt, könnten diese Effekte erheblichen Einfluss auf die weibliche Fertilität haben. Die Autoren halten deshalb weiterführende experimentelle und epidemiologische Untersuchungen für dringend erforderlich. CW


Quelle:

Arendrup FS et al.: Is exposure during pregnancy to acetaminophen/paracetamol disrupting female reproductive development? Endocrine Connections 2018; DOI:10.1530/EC-17- 0298



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