36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie | Gyn-Depesche 5/2016

Bewegung – Metastasierungstyp – sexuelle Dysfunktion

Warum körperliche Aktivität bei Brustkrebs wichtig ist, worauf verschiedene Metastasierungsmuster gründen und was die endokrine Therapie mit dem sexuellen Wohlbefinden der Patientin macht, sind drei von vielen spannenden Fragen, die auf dem Senologiekongress 2016 in Dresden diskutiert wurden.

Bewegung ist wirksam Onkologen haben erst in den letzten Jahren in vollem Umfang erkannt, wie stark sich körperliche Aktivität auf das Befinden von Brustkrebspatientinnen auswirken kann. PD Dr. Freerk Baumann, Köln, berichtete über positive Wirkungen auf körperliche Fitness, Beweglichkeit von Arm und Schulter, Stimmung und Selbstwertgefühl. Regelmäßige Bewegung geht zudem mit einem niedrigeren Risiko für Osteoporose, Lymphödeme, Polyneuropathie und Schmerzen einher. Laut einer Metaanalyse ist Bewegung mit einem etwa um ein Viertel niedrigeren Mortalitätsrisiko im Vergleich zu bewegungsarmen Patientinnen assoziiert. „Motivieren Sie Ihre Patientin zur Bewegung, aber reden Sie dabei nicht von Sport“, warnt Baumann. Sport sei nämlich häufig negativ konnotiert – mit Leistungsdruck und Spitzensport statt mit eigener körperlicher Aktivität. Regenerieren und Entspannen zwischendurch sind dabei genauso wichtig wie Bewegung. Der Experte empfiehlt, für jeden körperlich aktiven Tag einen Erholungstag einzuplanen. Physikalische Anwendungen und Ansätze der Mind-Body-Medicine helfen zudem, zu entspannen.
 
Der Metastasierungstyp zählt
 
Einer Oligometastasierung, das heißt maximal drei bis fünf Metastasen in zwei oder weniger Organen, liegen andere biologische Mechanismen zugrunde als bei Polymetastasierung. Warum diese Unterscheidung relevant ist, erklärte Prof. Andrea Wittig, Marburg: „Bei begrenzter Metastasierung haben wir eine reelle Heilungschance durch lokale Therapien.“ Instabile Tumorzellklone, die genetisch oft stark von den Eigenschaften des Primärtumors und der daraus disseminierten Tumorzellen abweichen, scheinen eine Schlüsselrolle bei der Metastasierung zu spielen. Tierversuche der letzten Jahre zeigten, dass charakteristische mRNA-Muster, die mit einer Hemmung der Zelladhäsion, -invasion und -motilität einhergehen, Oligometastasierung begünstigen. Die Forscher hoffen, daraus einen geeigneten Biomarker ableiten zu können. Die Einschätzung, ob eine Patientin voraussichtlich von einer intensiven Lokaltherapie profitiert, kann bis auf weiteres nur auf klinische Parameter und Eigenschaften des Primärtumors gestützt werden. Synchron zum Primärtumor aufgetretene Oligometastasen sind mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert als metachrone.
 
Nebenwirkungen der endokrinen Therapie beachten
 
In der adjuvanten Behandlung prämenopausaler Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs kann mit der GnRH-Analoga-gestützten Suppression der Ovarialfunktion (OFS), zusätzlich zur endokrinen Therapie mit Tamoxifen oder Aromatasehemmer, eine bessere Krankheitskontrolle erreicht werden als mit der Monotherapie, allerdings um den Preis häufigerer Nebenwirkungen. Tamoxifen und Aromatasehemmer zeigen als Kombinationspartner zur OFS ein unterschiedliches Nebenwirkungsprofil. Die Patientinnen, die im Rahmen der Studien TEXT und SOFT die tamoxifenhaltige Kombination erhielten, klagten häufiger über Flush und Schwitzen. Die exemestanhaltige Behandlung ging häufiger mit Knochen- oder Gelenkschmerzen sowie mit vaginaler Trockenheit, Abnahme von Libido und sexueller Erregbarkeit einher. Das Ausmaß, in dem sich Patientinnen durch die Behandlung in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, war unter Exemestan/OFS und Tamoxifen/OFS gleich hoch. Hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens hatte die gepoolte Analyse von TEXT und SOFT einen signifikanten Vorteil der Exemestan- gegenüber der Tamoxifen- gestützten Kombination gezeigt.
 
Sexuelle Gesundheit für Adhärenz wichtig
 
Die im April 2016 aktualisierten Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) Kommission Mamma empfehlen bei Patientinnen mit erhaltener Ovarialfunktion nach adjuvanter Chemotherapie zwar weiterhin gleichwertig die Kombination von OFS und entweder Tamoxifen oder Aromatasehemmer, weisen aber darauf hin, dass gesteigerte Nebenwirkungen die Therapietreue beeinträchtigen können. Im Zweifelsfall wird eine alleinige Behandlung mit Tamoxifen bei guter Therapietreue als effektiver eingeschätzt als eine durch mangelnde Therapietreue beeinträchtigte Behandlung mit GnRH-Analoga, sei es in Kombination mit Tamoxifen oder mit einem Aromatasehemmer.
Sexuelle Dysfunktion ist Prof. Anton Scharl, Amberg, zufolge ein häufiger Grund für mangelnde Adhärenz von Brustkrebspatientinnen gegenüber der endokrinen Therapie. „15-20% aller Patientinnen beenden diese wegen vaginaler Atrophie“, weiß Scharl. Viele erleben therapieund krankheitsbedingte Beeinträchtigungen ihrer Sexualität als erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. In die aktuellen Leitlinien der AGO Mamma wurde daher ein eigenes Kapitel zur sexuellen Gesundheit eingeführt. TH

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