Zwillingsschwangerschaften | Gyn-Depesche 6/2015

Chorionizität bestimmt Prognose

Trotz Ersttrimester-Screening ist die fetale Mortalität bei monochorialen Zwillingen höher als bei dichorialen. Das bestätigte eine dänische Kohortenstudie.

Aus der dänischen Datenbank für Fetalmedizin gingen 3621 Zwillingsschwangerschaften mit vollständigen Ergebnissen des regulären Ersttrimester- Screenings und zwei zu diesem Zeitpunkt lebenden Feten hervor. 84,3% waren dichorial, 15,0% monochorial-diamnial (MCDA) und 0,7% monochorial-monoamnial (MCMA).
Bei den dichorialen Schwangerschaften kamen in 96,0% der Fälle beide Kinder lebend zur Welt, bei MCDA in 86,2% und bei MCMA in 66,7% der Fälle. Ein Spontanverlust beider Feten zwischen der 12. und der 22. SSW trat bei 0,9%, 2,4% bzw. 20,8% ein. Auch der spätere intrauterine Tod eines einzelnen Feten war bei monoamnialen Zwillingen häufiger (1,7% versus 0,6%) – nicht aber der Verlust beider Feten nach der 22. SSW. Die neonatale Mortalität unterschied sich nicht signifikant.
Die Nackenfaltenmessung ergab bei 3,8% der dichorialen und 6,1% der MCDA-Zwillinge ein erhöhtes Trisomie-21-Risiko. Invasive Tests wurden bei Monochorialen signifikant häufiger durchgeführt. Sie bestätigten die Diagnose bei 1,1% der monochorialen, aber bei 3,7% der dichorialen Schwangerschaften. Dies spricht für unterschiedliche Falsch-Positiv-Raten der Risikobestimmung durch die Nackenfaltenmessung: Bei monochorialen Zwillingen kann eine erhöhte Transluzenz auch ein frühes Zeichen eines feto-fetalen Transfusionssyndroms sein. Dessen Inzidenz ging in die Analysen jedoch nicht ein. Auch die Terminations-, Frühgeburten- und Sektioraten lagen bei monochorialen Zwillingsschwangerschaften höher.
Die Ergebnisse bekräftigen nach Ansicht der Autoren die Bedeutung der Chorionizitätsbestimmung im Rahmen des Ersttrimester- Screenings. CW

Quelle:

Kristiansen MK et al.: Perinatal outcome after firsttrimester risk assessment in monochorionic and dichorionic twin pregnancies ... BJOG 2015; 122: 1362-9

ICD-Codes: O30.0

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