Praxistipp | Gyn-Depesche 4/2020

COVID-19 und vaginale Entbindung

Zu Beginn der Pandemie wurden Schwangere mit einer COVID-19-Infektion meist per Sectio entbunden, die Neugeborenen isoliert und nicht gestillt. Dafür gibt es jedoch laut eines aktuellen Reviews keinen Grund.
In die systematische Analyse gingen 666 Kinder von 655 mit COVID-19 infizierten Müttern ein. In 364 Fällen erfolgte die Entbindung durch Sectio. Von diesen wurden 5,3 % der Neugeborenen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Nach einer vaginalen Geburt betrug die Infektionsrate nur 2,7 %. Lediglich acht der betroffenen 28 Kinder zeigten Symptome. Von den infizierten Säuglingen wurden sieben gestillt, drei erhielten Formula-Nahrung und eines abgepumpte Muttermilch. Sieben wurden nach der Geburt von der Mutter isoliert, fünf dagegen im gleichen Raum wie die Mutter versorgt. In den restlichen Fällen waren Ernährung und/ oder Unterbringung nicht dokumentiert. Offenbar ist die Gefahr einer vertikalen Transmission von SARS-CoV-2 während Schwangerschaft, Geburt oder Postpartalperiode gering und unabhängig vom Geburtsmodus, schließen die Autoren. COVID-19 sei daher keine Indikation für eine Sectio. Auch Stillen und Hautkontakt mit dem Nachwuchs scheinen kein erhöhtes Risiko darzustellen. Allerdings sollte die Mutter dabei eine chirurgische Atemmaske tragen. CW
Quelle: Walker KF et al.: Maternal transmission of SARS-COV-2 to the neonate, and possible routes for such transmission: A systematic review and critical analysis. BJOG 2020; doi: 10.1111/1471-0528.16362

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