Muttermilch-Analyse | Gyn-Depesche 4/2015

Das Allergie-Risiko erkennen

Dem Stillen werden viele gesundheitliche Vorteile zugeschrieben. In mancher Hinsicht kann es aber Vor- oder Nachteile haben – entscheidend ist die individuelle Zusammensetzung der Milch, bestimmt an deren Proteom.

Neben ihren ernährungsphysiologischen Eigenschaften trägt Muttermilch zur Darmreifung und zur Ausbildung immunologischer Reaktionen des Säuglings bei. Die WHO empfiehlt ausschließliches Stillen während der ersten sechs Lebensmonate. Im Hinblick auf das Risiko von Allergien und Asthma im späteren Leben sind die Befunde widersprüchlich; sowohl eine Erhöhung als auch eine Erniedrigung wurden beschrieben. Eine niederländische Arbeitsgruppe ging der Hypothese nach, dass diese Gegensätze etwas mit den unterschiedlichen Komponenten der Muttermilch zu tun haben könnten.
Für das Projekt PIAMA sammelte man Milchproben von allergischen und nichtallergischen Müttern und untersuchte deren Proteom, das Muster an Eiweißstoffen. Die nicht gezielten Analysen basierten auf Flüssigkeits- Chromatographie und Massenspektrometrie.
Von 364 untersuchten Proteinen unterschieden sich 19 zwischen den beiden Kollektiven signifikant. Besonders stark waren bei allergischen Müttern Protease-Inhibitoren und Apolipoproteine vermehrt. Es handelt sich bei den Unterschieden um quantitative Differenzen. Proteine, die nur bei der einen oder anderen Gruppe vorkamen, fand man nicht. Dass bestimmte Protease-Inhibitoren für die Antigen-Permeabilität der Haut und die Entwicklung von Atopie eine wichtige Rolle spielen, ist bekannt.
Die Ergebnisse der Autoren sollten unabhängig überprüft werden. Bestätigen sie sich, könnte sich die ungezielte Proteomik der Muttermilch als eine nützliche Methode erweisen, deren allergenes Potenzial besser abzuschätzen. WE

Quelle:

Hettinga KA et al.: Difference in the breast milk proteome between allergic and non-allergic mothers. PLoS ONE 2015; 10(3): e0122234

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