Auffällige Tumorzahlen

Gyn-Depesche 5/2008

Die HRT-Effekte der WHI: Wieviele sind nach drei Jahren noch übrig?

Für die WHI Investigators haben 13 Autoren die Daten von 15 730 Frauen aus der Postinterventionsphase der großen Studie analysiert. Während ein Teil der Unterschiede zwischen der damaligen Verum- und der Plazebogruppe sich verringerte, blieb der globale Risiko-Index gleich, die Zahl der Malignome war erhöht.

Als die WHI-Studie (Women’s Health Initiative) gestoppt wurde, hatten 16 608 Frauen 0,625 mg/d konjugierte Östrogene (CEE) plus 2,5 mg/d Medroxyprogesteronacetat (MPA) oder Plazebo über im Mittel 5,6 Jahre genommen. Die jetzige geplante Ana­lyse, die im Mittel 2,4 Jahre später statt fand, erfolgte nach dem Studienprotokoll, zu dem auch jährliche Mammographien gehörten.

Das erhöhte Risiko von kardiovaskulären Ereignissen unter Verum war nach der Intervention nicht mehr vorhanden, sowohl insgesamt als auch bezogen auf einzelne Komponenten. Was tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien betraf, so verschwand die Risikosteigerung ebenso.

Ungünstige Entwicklung des Krebsrisikos

Die Rate aller pro Jahr neu entdeckter Tumorerkrankungen war in der Postinterven­tionsphase in der ehemaligen Ve­rumgruppe signifikant höher als in der Plazebogruppe mit einer Hazard Ratio (HR) von 1,24 (während HRT 1,03). Zwar trug dazu eine größere Zahl invasiver Mammatumoren bei (Inzidenz 0,42 vs. 0,33%), der Unterschied zur Plazebogruppe war jedoch nicht signifikant; er war im Vergleich zur Differenz in der Studie tendenziell zurückgegangen. Keine sig­ni­fikante Differenz fand sich nun bei Darmkrebs, für den unter HRT das Risiko signifikant gesunken war. Die Zahl beim Endometrium-CA war niedriger (nicht signifikant).

Der Unterschied in der Frakturhäufigkeit, der während der HRT-Einnahme bestanden hatte, verringerte sich stark.

Die Gesamtmortalität war in der ehemaligen Verumgruppe nominell nicht signifikant erhöht, die HR lag bei 1,15. Während der Studie war die Mortalität fast gleich gewesen. Zum jetzigen Unterschied trugen Brust-, Darm-, Endometrium- und Eierstockkrebs weniger Todesfälle bei als andere Tumorarten; die meisten Ereignisse entfielen auf Lungenkrebs (33 vs. 15 Diagnosen). Der globale Risiko-versus-Nutzen-Index war mit 12% im Vergleich mit der Interventionsphase unverändert signifikant erhöht.

Die Autoren stellen fest, dass verschiedene Nutzen- und Risikomuster die aktive Phase nicht überdauerten. So verschwanden das kardiovaskuläre Risiko und der Schutz vor Knochenbrüchen. Während die höhere Gefahr von Brustkrebs weiter zu bestehen schien, verflüchtigte sich die Erniedrigung des Risikos von Darmkrebs. Beim Brustkrebs ist weitere Beobachtung nötig. Was den Lungenkrebs betrifft, so finden sich Östrogenrezeptoren beim NSCLC. Eine Studie berichtete über signifikant schlechtere Überlebenszeiten unter HRT, in einer anderen war die Prog­nose bei hohen Östrogenwerten schlecht.

Die Ergebnisse, die 2,7 Jahre nach Ende von HERS II erhoben wurden, bezeichnen die Verfasser als ähnlich. Insgesamt hat die Analyse nach der WHI neue Informationen zum optimalen Einsatz von CEE plus MPA nach der Menopause geliefert. Es finden sich deutliche Veränderungen von Nutzen und Risiko sowie Trends, die eine weitere Beobachtung im Hinblick auf mögliche verzögerte Effekte sinnvoll erscheinen lassen. In puncto weiterhin erhöhtes Malignom-Risiko scheint klinische Wachsamkeit angebracht zu sein. SN

Quelle: Heiss, G: Health risks and benefits 3 years after stopping randomized treatment with estrogen and progestin, Zeitschrift: JAMA : THE JOURNAL OF THE AMERICAN MEDICAL ASSOCIATION, Ausgabe 299 (2008), Seiten: 1036-1044
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