Gyn-Depesche 2/2018

Endozervikales Karzinom

Dilemma in der Schwangerschaft

Wenn eine Patientin trotz Krebs im Genitalbereich ein Kind bekommen möchte, muss mit einer Verschlechterung ihrer Prognose gerechnet werden.

In der Ambulanz des Massachusetts General Hospital stellte sich eine 28-jährige Patientin vor, die zum dritten Mal schwanger war (neun Wochen und fünf Tage). An einem anderen Krankenhaus war sie bereits wegen vaginalem Spotting untersucht worden. Man hatte dabei einen polypoiden Tumor von 2 cm Durchmesser festgestellt, der aus der Zervix wuchs.
Die Histologie von Biopsien ergab ein invasives endozervikales Adenokarzinom sowie eine hochgradige intraepitheliale Läsion (HSIL). Eine Lymphgefäß-Invasion war nicht zu erkennen. Man konstatierte FIGO-Stadium IB1.
Die Ärzte schlugen eine unverzügliche OP vor, aber die Patientin wollte die Schwangerschaft austragen, ungeachtet des eigenen Risikos. Man plante daher eine Sectio in Kombination mit Hysterektomie. Dazu wurde die Patientin in der 36,5ten Schwangerschaftswoche wieder in die Bostoner Klinik aufgenommen.
Man konnte chirurgisch ein 2785 g schweres Mädchen in gutem Zustand entbinden. Auf die Sectio folgte die Hysterektomie plus Salpingo- Oophorektomie. Der Tumor hatte sich zu FIGO-Stadium IB2 entwickelt (mit Lymphgefäß- Invasion) und war jetzt 4 cm groß. Eine Bestrahlung akzeptierte die Patientin drei Monate nach der OP. Eine Kombination mit Chemotherapie lehnte die Patientin ab.
Die geschätzte 5-Jahres-Überlebensrate war durch den Aufschub der Therapie von 87% auf 61% gesunken. Außerdem bestanden histologische Merkmale, die eine Heilung zusätzlich unwahrscheinlich machten. 18 Monate nach der chirurgischen Therapie bestanden aber (noch) keine Anzeichen für ein Rezidiv. WE

Quelle:

Schorge JO et al.: Case 21-2017: a 28-year-old pregnant woman with endocervical carcinoma. N Engl J Med 2017; 377: 174-83



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ICD-Codes: D06.0

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