Unerwünschter Schwangerschaftsausgang | Gyn-Depesche 3/2018

Ein Unglück prädisponiert für das nächste

Nach einer Totgeburt, Frühgeburt oder intrauterinen Wachstumsrestriktion wächst in der nächsten Schwangerschaft die Gefahr ähnlicher Komplikationen.
Australische Wissenschaftler trugen Veröffentlichungen zusammen, die sich mit der Assoziation des Risikos für eine Totgeburt, Frühgeburt oder die Geburt eines SGA-Kindes (small for gestational age) in zwei aufeinanderfolgenden Entbindungen beschäftigten. 17 Studien gingen in ihre Metaanalyse ein.
Im Ergebnis erhöhte jedes der untersuchten Ereignisse die Wahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ausgangs der Folgeschwangerschaft. So stieg das Risiko einer Totgeburt nach einer Frühgeburt um 70%, nach der Geburt eines SGA-Babys auf das Doppelte. Dabei war der Einfluss umso stärker, je kleiner oder unreifer das erste Kind war: Nach einer Frühgeburt vor der 34. SSW verdreifachte sich das Totgeburtsrisiko, bei einer Abweichung des Geburtsgewichts um mehr als zwei Standardabweichungen kletterte es auf das Zweieinhalbfache. Kamen beide Risikofaktoren zusammen, bedeutete das eine Steigerung auf das Achtfache. Nach Einbeziehung potenzieller Einflussgrößen wie dem maternalen Alter, BMI und Raucherstatus sowie hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen blieb ein fünffach erhöhtes Risiko erhalten.
Umgekehrt steigerte auch eine vorangegangene Totgeburt das Risiko einer Frühgeburt (OR 2,82) oder eines SGA-Babys (OR 1,29) in der nächsten Schwangerschaft. Nach einer Frühgeburt war das Risiko eines SGA-Babys um 66% erhöht.
Offensichtlich prädisponiert also ein einmaliger negativer Schwangerschaftsausgang für die jeweils anderen. Allerdings lagen kaum Informationen über die Ursachen der jeweiligen Komplikationen vor. Dem betreuenden Arzt sollte dennoch bewusst sein, betonen die Autoren der Metaanalyse, dass sich eine fetale Wachstumsverzögerung oder Frühgeburt sogar stärker auf das Totgeburtsrisiko beim nächsten Kind auswirkt als bekannte Faktoren wie Rauchen, Adipositas oder ein maternales Alter über 35 Jahre. CW
Quelle: M Malacova E et al.: Risk of stillbirth, preterm delivery, and fetal growth restriction following exposure in a previous birth: systematic review and meta-analysis. BJOG 2018; 125: 183-92

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