Progesteron in der Schwangerschaft

Gyn-Depesche

Einfluss auf kindliche Entwicklung?

Progesteron findet breite Anwendung in der assistierten Reproduktion sowie zur Prävention von Fehl- und Frühgeburten. Wie sich das auf die langfristige Entwicklung des Kindes auswirkt, ist bislang jedoch noch kaum erforscht.

Durch Datenbankrecherchen ermittelte eine niederländische Arbeitsgruppe fünf randomisiert-kontrollierte Studien, die sich mit den langfristigen Auswirkungen von Progesteron-Behandlungen im zweiten oder dritten Trimenon auf die Entwicklung des Nachwuchses beschäftigten. In die systematische Analyse gingen 4.222 Messdaten von rund 3.500 Kindern im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren ein.
Aufgrund der hohen Heterogenität der Studien konnten allerdings nur zwei davon in eine Metaanalyse einbezogen werden. Im Alter von zwei Jahren zeigten sich hier keine kognitiven Unterschiede zwischen 438 Kindern mit einer pränatalen Progesteron-Exposition und den 452 Kindern aus der Placebo-Gruppe. In den übrigen Studien zeigten sich teils inhomogene Ergebnisse bei den Effekten der Progesteron-Behandlung auf kindliche Verhaltensauffälligkeiten, neurologische Entwicklungsstörungen, gesundheitliche Einbußen, anthropometrische Daten und motorische Fähigkeiten. Signifikante Unterschiede traten jedoch nicht zutage.
Offenbar wirkt sich die Progesterongabe im zweiten und dritten Trimenon nicht auf die langfristige Entwicklung des Nachwuchses aus. Mangels Daten ist jedoch keine Aussage zum Einfluss einer Progesteron-Behandlung in der Frühschwangerschaft möglich, betonen die Studienautoren. Vorstellbar wäre ein Effekt auf das Kind aus zwei Gründen: Zum einen passiert Progesteron die fetale Blut-Hirn-Schranke und zum anderen kann es die Durchlässigkeit der Plazenta für maternales Cortisol erhöhen. CW

Quelle: Simons NE et al.: The long-term effect of prenatal progesterone treatment on child development, behaviour and health: a systematic review. BJOG 2021; 128: 964-74
ICD-Codes: O20.0
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