Harninkontinenz | Gyn-Depesche 6/2017

Erste Wahl: Beckenboden- und Blasentraining

Das American College of Physicians (ACP) stellte Leitlinien für die klinische Praxis zur Behandlung der weiblichen Harninkontinenz vor.

Das Leitlinienkomitee des ACP begutachtete 905 Veröffentlichungen, die sich mit konservativen Methoden zur Behandlung der Stress-, Drang- oder gemischten Inkontinenz beschäftigten. Hohe Evidenz fanden die Mitglieder für die Wirksamkeit von Beckenbodentraining bei Stressinkontinenz. Ebenfalls eine starke Empfehlung sprachen sie für die Kombination von Beckenbodenund Blasentraining bei einer gemischten Inkontinenz aus. Weniger eindeutig fiel ihre Bewertung der Therapien bei der Dranginkontinenz aus. Für die Wirksamkeit des Blasentrainings als First-line-Therapie gab es nur geringe Evidenz. Gut belegt war dagegen, dass bei seinem Versagen eine medikamentöse Therapie begonnen werden sollte. In den meisten Studien wurden Antimuskarinika wie Oxybutynin oder Tolterodin eingesetzt. Der erzielte Benefit schien mit einer Reduktion um ein bis zwei Inkontinenzepisoden pro Tag allerdings moderat.
Um die Wirksamkeit und Sicherheit der einzelnen Substanzen zu vergleichen, reichte die Datenlage nicht aus. Zu den häufig genannten Nebenwirkungen zählten Mundtrockenheit (bei 20 bis 50%), Obstipation (5 bis 10%) und Sehstörungen. Die Abbruchraten lagen mit Solifenacin und Mirabegron am niedrigsten, mit Oxybutynin am höchsten. Weil man bei älteren Patientinnen Langzeiteffekte auf die Kognition befürchtet, sollten bei Anticholinergika solche bevorzugt werden, die die Blut-Hirn-Schranke wenig passieren, etwa Darifenacin oder Trospium.
Einig war sich das Komitee darüber, dass eine Gewichtsreduktion bei allen Inkontinenzformen eine logische und nebenwirkungsarme Möglichkeit zur Verbesserung der Symptome darstellt. CW

Quelle:

Culbertson S et al.: Nonsurgical management of urinary incontinence in women. JAMA 2017; 317: 79-80

ICD-Codes: R32

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