Hyperemesis gravidarum

Gyn-Depesche 5/2012

Extremes Erbrechen – Spätfolgen fürs Kind?

Bis zu 2% der Schwangeren leiden an Hyperemesis gravidarum (HG). Welche kurz- und langfristigen Auswirkungen das auf den Nachwuchs hat, ist bislang unklar. Niederländische Wissenschaftler wollten der Frage auf den Grund gehen.

Durch Datenbankanalysen identifizierte man 24 Studien, die sich mit der kurz- und langfristigen Entwicklung der Kinder aus HG-Schwangerschaften beschäftigten.

Alle 13 Studien, die das Geschlecht des Babys erfassten, berichteten von einem höheren Mädchenanteil bei HG-Schwangerschaften. Im Vergleich zu den Kontrollgruppen war die Wahrscheinlichkeit eines weiblichen Fetus um 27% erhöht.

Relativ eindeutig waren die Studienergebnisse auch hinsichtlich der kurzfristigen Auswirkungen der HG auf das Neugeborene. Das Risiko eines geringen Geburtsgewichts stieg um 42%, das SGA-Risiko um 28% und das Risiko einer Frühgeburt um 32%. Diese Unterschiede könnten auf der geringeren Gewichtszunahme bei HG beruhen.

Nur zwei Studien beschäftigten sich mit den langfristigen Folgen der HG auf die Kinder. Ein neurologischer Entwicklungsrückstand im Alter von zwölf Monaten fand sich nicht. Auf einen Zusammenhang zwischen HG und Hodenkrebs wiesen hingegen die Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie aus dem Jahr 1979: Acht Mütter von erwachsenen Hodenkrebspatienten berichteten von extremer Übelkeit in der Schwangerschaft, während das nur bei zwei Müttern aus der gesunden Kontrollgruppe der Fall war. Die Ursache hierfür sehen die Autoren in einer erhöhten Östrogen-Exposition in utero, die bei HG-Schwangerschaften häufiger vorkommt. Die Folge kann ein Hodenhochstand sein, der wiederum mit einem höheren Krebsrisiko assoziiert ist. Insgesamt ist die Datenlage zu den langfristigen Folgen einer HG jedoch sehr dürftig. CW

Quelle: Veenendaal MV et al.: Consequences of hyperemesis gravidarum for offspring: a systematic review and meta-analysis, Zeitschrift: BJOG: British journal of obstetrics and gynaecology, Ausgabe 118 (2011), Seiten: 1302-1313
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