Depression mit kognitiven Problemen

Gyn-Depesche 2/2019

Führen Actiongames zur Verbesserung der Kognition?

Hamburger Wissenschaftler prüften, inwieweit sich rasante Actionspiele am Computer auf depressive Symptome, Grübeln und die kognitive Leistung auswirken.

68 klinisch depressive Patienten (Durchschnittsalter 46 Jahre, 47 Frauen) wurden randomisiert zu einer Gruppe, die sechs Wochen lang mehr oder weniger regelmäßig das relative einfache Computerspiel „Boson X“ (http://www.boson-x.com) spielte, oder zu einer untätigen Kontrollgruppe („Warteliste“).
Vor und nach dem Training unterzogen sie sich einer neuropsychologischen Testbatterie und füllten mehrere Fragebögen aus, darunter das Patient Health Questionnaire (PHQ-9), das Beck Depression Inventory (BDI), das Response Styles Questionnaire (RSQ; Grübeln) und die Subjective Scale to Investigate Cognition in Schizophrenia (SSTICS). Ausgewertet wurden 21 noch aktiv spielende Patienten der Trainingsgruppe und 29 Kontrollen.
Im BDI ergab sich in der Trainingsgruppe keine signifikante Reduktion der depressiven Symptome (p = 0,167), wenngleich sich der Effekt nach Adjustierung auf die BDI-Eingangswerte als signifikant erwies (p < 0,001). Das Gleiche traf auf die Veränderungen im PHQ-9 zu (p = 0,503 bzw. nach Adjustierung auf die initialen PHQ-9- Werte: p < 0,001).
Die subjektiven kognitiven Fähigkeiten präsentierten sich in der Trainingsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe nach sechs Wochen signifikant gebessert (p = 0,043), auch nach Berücksichtigung des SSTICS-Score bei Studienbeginn (p < 0,001) und der vorherigen Computerspielpraxis (p = 0,035). Die Abnahme des Grübelns erwies sich ebenfalls als signifikant (p = 0,017), auch nach Kontrolle auf die anfänglichen RSQ-Scores (p < 0,001). Allerdings „überlebte“ die Signifikanz in keinem dieser Parameter – BDI, PHQ-9, RSQ – die statistische Bonferroni-Korrektur auf verschiedene Patientenvariablen.
In einer Subgruppe von 19 Patienten verbesserten sich in der Trainingsgruppe die exekutiven Funktionen gegenüber den Kontrollen (p = 0,030), aber in keinem der vielen anderen Kognitionstests. Die objektiven kognitiven TMT-Verbesserungen standen allerdings in keiner signifikanten Beziehung zu den subjektiven kognitiven Fähigkeiten. Und auch im TMT waren die Resultate nach der Bonferroni-Korrektur nicht mehr signifikant. JL
Quelle:

Kühn S et al.: Fighting depression: action video ... Front Psychol 2018; 9: 129

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