Eisenmangelanämie | Gyn-Depesche 1/2017

Fast jeder achte Deutsche betroffen

Rund 800 000 Tote pro Jahr sind auf Eisenmangelanämie (iron deficiency anemia, IDA) zurückzuführen. Wie häufig IDA in der allgemeinen Bevölkerung in Westeuropa vorkommt, ist bisher nur wenig untersucht. Aktuellen Daten zufolge ist die Inzidenz in Deutschland aber höher als bisher vermutet.

Anhand nationaler Patientendatenbanken ermittelten Forscher die jährlichen Inzidenzraten der Eisenmangelanämie in Deutschland, Spanien und Belgien (Zeitraum 2006 bis 2011) sowie Italien (Zeitraum 2000 bis 2013). Insgesamt rangierte die jährliche Inzidenz in den vier untersuchten Nationen von 7,25 bis 13,96 pro 1000 Personenjahre. In Italien nahm die Inzidenzrate zwischen 2002 und 2013 von 5,9 auf 8,93 pro 1000 Patientenjahre zu (Zuwachs 51,4%). In Belgien wurde im untersuchten Zeitraum ein Anstieg von knapp 25% verzeichnet (von 6,55 auf 8,18 pro 1000 Patientenjahre). Spitzenreiter waren allerdings Spanien und Deutschland mit 14,14 bzw. 12,42 Fällen pro 1000 Patientenjahre. Dies entspricht einer Inzidenzzunahme von 13% zwischen 2007 und 2011 in Deutschland.
Erwartungsgemäß fiel die IDA-Inzidenz in allen Ländern bei Frauen deutlich höher aus als bei Männern (bis zu 17,27 bzw. 6,70 pro 1000 Patientenjahre in Deutschland). Ein größeres Risiko trugen neben Schwangeren auch junge und ältere Personengruppen (U-förmiger Zusammenhang). Übergewicht erhöhte das Risiko für IDA um das Zwei- bis Dreifache. Weitere mit IDA assoziierte Risikofaktoren waren Erschöpfung, Kopfschmerzen, Alopezie, Xerostomie und Menometrorrhagie.
Ausgehend von früheren Daten wird eine IDA vermutlich sehr oft unterdiagnostiziert, zumal sie oft asymptomatisch verläuft oder die Anzeichen oft unspezifisch sind. OH

Quelle:

Levi M et al.: Epidemiology of iron deficiency anaemia in ... Eur J Haematol 2016; 97(6): 583-93.

ICD-Codes: D50

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