Endometriose und Krebsrisiko | Gyn-Depesche 4/2018

Fragliche Bedeutung von Treibermutationen

Endometriose-Läsionen gelten als gutartig, haben aber auch krebsähnliche Eigenschaften wie lokale Invasion und Apoptose-Resistenz. Auf der Suche nach Krebs-Treibermutationen in Endometriose-Herden kam man nun zu einem überraschenden Ergebnis.

Bei 24 Patientinnen mit nicht-ovarieller tiefer infiltrierender Endometriose und ohne histologische Hinweise auf Malignität unterzog man Gewebsproben aus Endometriose-Läsionen einer kompletten Exom-Sequenzierung. Bei 19 Frauen fanden sich somatische Mutationen. In fünf Fällen waren darunter bekannte Krebs-Treibermutationen in den Genen KRAS, ARID1A, PIK3CA, oder PPP2R1A. Mittels gezielter Sequenzierung identifizierte man KRAS-Mutationen bei zwei von drei Frauen, mittels PCR bei drei von zwölf Patientinnen. Von KRAS-Mutationen waren ausschließlich Epithelzellen. Bei einer Patientin fanden sich zwei verschiedene KRAS-Mutationen, bei einer anderen ein- und dieselbe KRAS-Mutation in drei räumlich getrennten Läsionen – ein möglicher Hinweis auf eine Streuung pathologisch veränderter Zellverbände.
Bei nicht-ovarieller tief infiltrierender Endometriose kommt die Transformation in eine maligne Erkrankung nur sehr selten vor. Die Forscher waren daher überrascht, in diesen Läsionen so häufig Treibermutationen vorzufinden, die u. a. bei Endometriose-assoziiertem Ovarialkarzinom im Verdacht stehen, maßgeblich zur Entstehung der Krebszellen beizutragen. Die Ergebnisse sprechen somit gegen die Vorstellung, Treibermutationen alleine würden ausreichen, diese Transformation anzustoßen. Auch für die Beurteilung des Krebsrisikos bei Endometriose schienen sich diese genetischen Marker nicht besonders zu eignen. Möglicherweise spielen sie aber in der Pathogenese der Endometriose eine wichtige Rolle. TH

Quelle:

Anglesio MS et al.: Cancer-associated mutations in endometriosis ... N Engl J Med 2017; 376: 1835-48

ICD-Codes: N80.9

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