Stoffwechseleffekte der Pille

Gyn-Depesche 2/2021

Gestagene auf dem Prüfstand

Zahlreiche orale Kontrazeptiva (OK) enthalten eine Östrogen- und eine Progesteronkomponente. Eine Fülle unterschiedlicher Kombinationen und Dosisschemata kommen zum Einsatz. Die metabolischen Effekte der Präparate hängen im Wesentlichen vom verwendeten Gestagen ab, wie nun eine Metaanalyse zeigt.
Forscher:innen aus Kolumbien und Kanada gingen der Frage nach, inwiefern verschiedene OK-Gestagene (Chlormadinon, Cyproteron, Drospirenon, Levonorgestrel, Desogestrel, Dienogest, Gestoden, Norgestimat) nach mindestens dreimonatiger Einnahme die Plasmalipide, den BMI, die Insulinresistenz und den Blutzuckerspiegel prämenopausaler Anwenderinnen beeinflussen, welche Rolle dabei die Einnahmedauer spielt und ob sich die Effekte bei Frauen mit und ohne polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) unterscheiden. Hierzu werteten die Wissenschaftler:innen die Daten von 82 randomisierten Studien mit mehr als 2.300 Teilnehmerinnen aus. In fast allen Untersuchungen bildete Ethinylestradiol die Östrogenkomponente.
Das Ergebnis: Mit Ausnahme von Dienogest führten alle Gestagene zu einem Triglyceridanstieg. Dieser war unter Chlormadinon am stärksten und unter Levonorgestrel am schwächsten ausgeprägt. Die meisten Gestagene erhöhten ferner das HDL-Cholesterin, wobei erneut Chlormadinon die deutlichsten Effekte zeigte. Levonorgestrel senkte dagegen den HDLCholesterinspiegel. Einen Anstieg des LDLCholesterins beobachteten die Forscher: innen bei Anwendung Levonorgestrel- bzw. Norgestimat-haltiger Präparate, eine Spiegelreduktion unter Dienogest. Keines der Gestagene veränderte den BMI oder die HOMA-IR (Homeostasis-Model- Assessment-Insulinresistenz) wesentlich. Unter Cyproteron trat eine minimale, jedoch statistisch signifikante Reduktion der Nüchternglucose auf. Die Anwendungsdauer oraler Kontrazeptiva und ein PCOS beeinflussten diese Ergebnisse nicht wesentlich. LO
Kommentar
Auch die Kombination der Gestagene mit verschiedenen Östrogenen ist zu beachten, da Gestagene senkend in Bezug auf das Thromboserisiko bei der Einnahme von OK wirken können. Dabei kommt es auf das jeweilige Östrogen an.
Quelle: Silva-Bermudez LS et al.: Effffects of oral contraceptives on metabolic parameters in adult premenopausal women: a meta-analysis. Endocr Connect 2020; 9(10): 978-98
ICD-Codes: Z30.-
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