FOKO Fortbildungskongress 2021

Gyn-Depesche 2/2021

Gynäkologische Onkologie heute: Chancen und Herausforderungen

Der vom 4. bis 6. März 2021 stattgehabte Fortbildungskongress bot auch im 100%ig digital ausgetragenen Format zahlreiche neue Informationen zu vielseitigen Themen der Gynäkologie. So auch zur gynäkologischen Onkologie, ob nun zu aktuellen Therapieoptionen, zu Möglichkeiten des Einsatzes der Komplementärmedizin oder zu Sexualität und Krebs.
Mammakarzinom der jungen Frau
Das Mammakarzinom der jungen Frau im Alter von < 40 Jahren stellt eine andere Herausforderung dar als dasjenige bei älteren Patientinnen, so Prof. Wolfgang Janni, Ulm. Zwar ist die Krankheit nicht mit dem jungen Alter assoziiert, doch ist im jüngeren Alter die körperliche Integrität wichtiger, die soziale Situation anders und die Familienplanung meist noch nicht abgeschlossen. Zudem tritt oft eine ungünstige Tumorbiologie – TNBC- und HER2- positive Tumoren, vermehrte BRCA-Positivität – mit schlechter Prognose auf. So kommt zur altersunabhängigen Lokaltherapie und einer leitliniengerechten (neo-)adjuvanten Systemtherapie bei der jungen Patientin die Notwendigkeit einer ovariellen Protektion hinzu. Zudem sollte auch eine genetische und Fertilitätsberatung angeboten werden sowie eine frühzeitige Beratung zur Verhütung stattfinden. Wegen der ovartoxischen Wirkung von Chemotherapeutika ist ein Fertilitätserhalt meist von großem Interesse. Hierzu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wie die Entnahme und Kryokonservierung von Eizellen oder Ovarialgewebe, der Einsatz von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon)-Analoga oder bei einer notwendigen Bestrahlung des kleinen Beckens die Transposition der Ovarien. Wie aus Daten einer auf dem SABCS (San Antonio Breast Cancer Symposium) präsentierten Arbeit von Blondeaux E et al. ersichtlich, sollte auch nach einem Mammakarzinom unabhängig vom Hormonrezeptorstatus nicht von einer Schwangerschaft abgeraten werden.
 
Klinik und Praxis als Partner
Prof. Andreas Hartkopf, Universität Tübingen, ging darauf ein, dass durch den ansteigenden Einsatz zielgerichteter, oral verabreichter Therapien in der Gynäko- onkologie immer mehr die Mitarbeit auch der niedergelassenen Frauenärzt:innen (FA) an Bedeutung gewinnt, ohne deren Mitarbeit eine optimale und erfolgreiche onkologische Behandlung in Zukunft nicht möglich sein wird. So zeigte er z. B., dass seit Ende 2015 der Einsatz von CDK4/6-Inhibitoren in der Erstlinientherapie um 74 % zugenommen hat. Für das notwendige engmaschige Therapiemonitoring und Nebenwirkungsmanagement derartiger Therapien bedarf es der verstärkten Einbindung der niedergelassenen FA. Er beschrieb ein an der Universität Tübingen erfolgreich laufendes Therapiekonzept in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen FA. Im Rahmen dessen werden die von der Universität verschriebenen Medikamente durch die FA verabreicht und die von diesen erhobenen Blut- und EKG-Werte zeitnah an die Universität gefaxt. Die Besprechung der Werte mit der Patientin erfolgt einen Tag später telefonisch durch Mitarbeiter:innen der Universität. Alle 3–6 Monate findet ein persönliches Gespräch in der Klinik statt. Mit dem Einzug neuer Substanzen in die adjuvante Therapie wird sich die Zahl der Patientinnen nochmals signifikant erhöhen, so Hartkopf. Er sieht die enge Kooperation zwischen Klinik und Praxis als unabdingbar.
 
Komplementärmedizin
Im Rahmen seines Vortrags zum Einsatz der Komplementärmedizin in der gynäkologischen Onkologie ging Dr. Peter Holzhauer, München, anfangs auf die Ansprüche an die Komplementärmedizin, wie Therapieoptimierung, Nebenwirkungsmanagement oder Schaffung von Selbsthilfekonzepten zur Erhöhung der Therapiecompliance, ein. Er wies auf Interaktionen zwischen Chemotherapeutika und Naturstoffen hin, z. B. darauf, dass Grapefruitsaft die Wirkung von Etoposid verringere, Johanniskraut den Effekt von Cyclophosphamid erhöhe oder Vitamin C durch Interaktion mit der Boronsäure die Wirkung von Bortezomib negativ beeinflusse. Er erklärte aber auch anhand neuer Studiendaten, dass Selen als Natriumselenit keinen negativen Einfluss auf die Effektivität einer Strahlentherapie habe.
 
Krebs und Sexualität
Dr. Markus Valk, Wesel, sprach in seinem Vortrag zu Krebs und Sexualität über psychische Brustkrebsfolgen und deren Bedeutung und Einfluss auf die Sexualität. Ausgehend davon, dass die Sexualität als ein menschliches Grundbedürfnis besonders in der Krise ärztliches Augenmerk verlange, betonte er, dass dieses Thema bei der Behandlung von Krebspatient:innen mit angesprochen werden sollte und gerade in der Krebsnachsorge eine Rolle spiele. Er beendete seinen Beitrag mit dem Zitat: „Vergessen wir nicht, dass die Suche nach dem G-Punkt mindestens so viel bringt wie die Suche nach dem mTOR*!“ GH

 

*mTOR – mechanistic Target of Rapamycin
ICD-Codes: C50.9
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