Primäre Dysmenorrhoe | Gyn-Depesche 4/2018

Hinweis auf erhöhtes Eotaxin

Die primäre Dysmenorrhoe ist ein Problem, das vor allem junge Frauen betrifft. Für die kennzeichnenden Schmerzen im Unterbauch sind wahrscheinlich mehrere Mechanismen verantwortlich. Nach einer aktuellen Studie aus der Türkei scheint dabei der Eotaxin-Spiegel eine Rolle zu spielen.

Obwohl die primäre Dysmenorrhoe ein weit verbreitetes Problem vieler Frauen ist, wird die Diagnose oft übersehen. Die Schmerzen setzen einige Stunden vor bis einige Stunden nach Beginn der Menstruation ein und können von Übelkeit, Diarrhoe, Kopf- oder Rückenschmerzen und Schwindel begleitet werden. Die Symptome werden vor allem einer gesteigerten uterinen Aktivität und einem verringertem uterinen Blutfluss zugesprochen.
Eine wesentliche Rolle in der Pathophysiologie spielt hier bekanntermaßen der Prostaglandin-Signalweg. Als weitere relevante Faktoren für die Uteruskontraktion werden außerdem Vasopressin, Stickstoffmonoxid und Histamine diskutiert. Trotz nachgewiesener Wirksamkeit verfügbarer Therapieoptionen bleibt eine Therapie bei bis zu einem Viertel der Patientinnen erfolglos. Dies lässt vermuten, dass mehrere pathogenetische Mechanismen zur Entstehung einer primären Dysmenorrhoe beitragen könnten.
Einen Hinweis darauf fand eine türkische Arbeitsgruppe bei einem Blick auf den Eosinophilenspiegel. Denn ebenso wie die dysmenorrhoeischen Schmerzen sind Eosinophile nur kurz vor und während der Periode im Endometrium nachweisbar.
Die Forscher entnahmen jeweils 30 Patientinnen mit bzw. ohne primäre Dysmenorrhoe und ohne Becken-Pathologie innerhalb der ersten beiden Zyklustage eine venöse Blutprobe zur genauen Analyse. Alter und BMI der Teilnehmerinnen unterschieden sich nicht (mit bzw. ohne Dysmenorrhoe: 17,1±0,9 bzw. 16,6±0,8 Jahre und 22,0±0,8 bzw. 21,5±0,7 kg/m²). Einen Unterschied fand man allerdings im Eotaxin-Spiegel. Dieser lag mit 580±195,7 pg/ml bei den Dysmenorrhoe-Patientinnen signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit 440±132,17 pg/ml (p=0,012).
Eotaxin ist ein Eosinophilen-selektives Chemokin, das vor allem in der proliferativen Phase des Endometriums akkumuliert. Interessanterweise sind die Spiegel bei Patientinnen mit Endometriose gegenüber gesunden Frauen signifikant erhöht. Eine andere Studie bei Frauen mit gynäkologischen Beschwerden weist darauf hin, dass ähnlich wie bei Endometriose der Eotaxin-Spiegel auch bei anderen Störungen mit ähnlichen Symptomen verändert sein kann. Die hier beschriebene Assoziation könnte also auch bei der primären Dysmenorrhoe relevant sein. Vermittelt wird diese möglicherweise durch Histamine. Die genauen Zusammenhänge gilt es aber noch zu klären. OH

Quelle:

Gul E, Kavak EC: Eotaxin levels in patients with primary dysmenorrhea. J Pain Res 2018; 11: 611-3

ICD-Codes: N94.4

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