Trichomonas vaginalis | Gyn-Depesche 3/2018

Hohe Infektionsrate bei älteren Frauen

Trichomoniasis zählt zu den weltweit am häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten. Erstaunlicherweise ist der Erreger jedoch vor allem bei Frauen im perimenopausalen Alter weit verbreitet, wie US-amerikanische Autoren jetzt überraschend herausfanden.
In einem Labor in Hamilton (New Jersey) wurde der zervikovaginale Abstrich von über 1,5 Millionen Frauen zwischen zehn und 79 Jahren mittels PCR auf eine Besiedelung mit Trichomonas vaginalis untersucht. Zum Vergleich diente der PCR-Test auf Chlamydia trachomatis bei knapp zwei Millionen Frauen.
Erwartungsgemäß fanden sich Chlamydien am häufigsten bei jungen Frauen: Der Peak lag mit einer Prävalenz von 8,6% im Alter von 17 Jahren, danach nahmen sie schnell wieder ab. Dagegen folgten die Detektionsraten von T. vaginalis einem zweigipfeligen Verlauf. Im Alter von 21 und 22 Jahren wurden 4,0 bis 4,1% der Frauen positiv getestet. Noch mehr, nämlich 5,4 bis 5,8%, waren es überraschenderweise aber bei den 48- bis 51-Jährigen.
Weshalb sich T.-vaginalis-Infektionen – anders als andere sexuell übertragene Erkrankungen – besonders häufig bei präoder perimenopausalen Frauen nachweisen lassen, darüber konnten die Studienautoren nur spekulieren. Bekannt ist, dass die verringerte Östrogenproduktion in der Menopause zu einer Reduktion der Laktobazillen in der Vaginalflora führt. Das könnte zu einer erhöhten Anfälligkeit für eine Besiedelung mit T. vaginalis beitragen. Möglich wäre auch, dass eine persistierende latente Infektion durch immunologische Veränderungen in Zusammenhang mit der Menopause reaktiviert wird. CW

Quelle: Stemmer SM et al.: Trichomonas vaginalis is most frequently detected in women at the age of peri-/premenopause: an unusual pattern for a sexually transmitted pathogen. Am J Obstet Gynecol 2018; 218: 328.e1-13
ICD-Codes: A59.0

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