Dr. Kade/Besins

Gyn-Depesche

Hormonersatztherapie für mehr Lebensqualität – und Immunschutz?

Die Hormonersatztherapie (HRT) verbessert offenbar nicht nur klimakterische Befindlichkeitsstörungen, schützt Gefäße und Knochen, sondern bietet Anwenderinnen zudem einen gewissen Immunschutz – eine Beobachtung, die auch Daten aus der aktuellen Coronapandemie bestätigen. Dennoch erhält nur jede fünfte Patientin mit Indikation eine HRT.

Die immunmodulatorische Wirkung weiblicher Sexualhormone ist mittlerweile gut untersucht. Der Internist und Pharmakologe Dr. Christian Mang aus Mainz verweist in diesem Zusammenhang auf eine vergangenes Jahr im Fachmagazin Endocrinology publizierte Übersichtsstudie, der zufolge Östrogene die Bildung proinflammatorischer Zytokine unterdrücken – darunter die Interleukine 1 und 6 sowie TNF-α, die man für Entgleisungen des Immunsystems unter anderem bei COVID-19 verantwortlich macht. Gleichzeitig fördern Gestagene die Produktion von Zytokinen mit antientzündlichem Effekt. „Weibliche Sexualhormone scheinen also eine immunprotektive Wirkung zu besitzen, ähnlich der, die bereits von Glukokortikoiden bekannt ist“, berichtete Mang. Das könnte erklären, weshalb hormonaktive Frauen und solche unter HRT ein nachweislich geringeres Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben als postmenopausale Frauen ohne HRT. Studien zum therapeutischen Nutzen der HRT bei COVID-19 laufen zwar noch, im Rahmen einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung könne eine HRT jedoch schon jetzt als unterstützende Maßnahme im Krankheitsfall angedacht werden, so Mang abschließend.

 

Großteil der Frauen mit Wechseljahresbeschwerden erhält keine HRT

Nur eine von fünf deutschen Frauen mit der Diagnose klimakterisches Syndrom erhält eine HRT. Das geht aus den noch unveröffentlichten Ergebnissen einer repräsentativen Kohortenstudie hervor, in der Prof. Petra Stute und ihr Team des Universitätsspital Bern die Krankenkassendaten von mehr als einer halben Million gesetzlich versicherter Frauen zwischen 35 und 75 Jahren analysierten. In diesem Kollektiv erhielten lediglich 14 % die Erstdiagnose klimakterisches Syndrom. Dies ist Stute zufolge eine überraschend niedrige Zahl, bedenkt man, dass sich laut einer FORSA-Umfrage im Auftrag von Dr. Kade/Besins zwei Drittel der Frauen dieser Altersklasse durch Wechseljahresbeschwerden in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Ob diese Diskrepanz die Folge einer Unter- oder Fehlkodierung ist, bleibt allerdings noch zu klären. Nach Diagnosestellung dauerte es im Schnitt 18 Monate bis die Frauen eine Erstverschreibung für Hormone bekamen. Dieser lange therapiefreie Zeitraum spiegelte sich in einem überdurchschnittlich häufigem „Gynäkolog:innen-Hopping“ sowie vermehrten Krankschreibungen wider.
Laut der FORSA-Umfrage fühlen sich 50 % der Frauen mittelmäßig bis schlecht zu den Therapiemöglichkeiten in den Wechseljahren informiert. Der erhöhte Aufklärungsbedarf könnte auch der andauernden Diskussion um das Krebsrisiko unter der HRT geschuldet sein, deren Nutzen allerdings das Risiko in vielen Fällen übersteigen sollte. RG

Quelle: Symposium: „Agieren ist besser als Reagieren – HRT jetzt!“, im Rahmen des BVF Fortbildungskongress 2021; 5.3.2021; Veranstalter: Dr. Kade/Besins
ICD-Codes: N95.1

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