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Hunderte potenziell karzinogene Chemikalien identifiziert

In einer umfangreichen In-vitro-Studie haben US-Forscher fast 300 hormonaktive Substanzen gefunden, die die Entstehung von Brustkrebs begünstigen könnten – darunter viele, die in gewöhnlichen Konsumgütern enthalten sind.

Bislang beschränkte sich die Forschung zu endokrin aktiven Substanzen vor allem auf solche Stoffe, die an nukleäre Hormonrezeptoren binden oder mit Rezeptor-relevanten Signalwegen interferieren. Jedoch kann die Steroidogenese auch Hormonrezeptor-unabhängig stattfinden. Da die Exposition gegenüber den Hormonen ­Estradiol (E2) und Progesteron (P4) als Risikofaktor für die Entstehung von Mammakarzinomen gilt, könnten also auch solche Substanzen karzinogen wirken, die die E2- oder P4-Synthese steigern.

Durch In-vitro-Tests an einer adrenokortikalen Karzinom-Zelllinie haben Wissenschaftler des US-Forschungsinstituts Silent Spring jetzt 296 Chemikalien identifiziert, die entweder die Bildung von E2, P4 oder beider Hormone signifikant erhöhen. Besonders problematisch ist laut den Autoren, dass es zu fast der Hälfte dieser Substanzen keine oder ungenügend in-vivo-Daten zur Karzinogenität gibt – und das, obwohl nahezu jeder der Stoffe in relevanten Mengen in alltäglichen Produkten nachweisbar ist, wie Forschungsdaten des Programms Exposure Forecasting der US-Umweltschutzbehörde (EPA) vermuten lassen. Zu den identifizierten Chemikalien zählen Inhaltsstoffe von Körperpflegeprodukten wie Haarfärbemittel, chemische Flammschutzmittel in Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen sowie eine Reihe von Pestiziden.

Die Studienergebnisse sollten Aufsichtsbehörden und Herstellern ein Weckruf sein, die aktuellen Regularien zur Sicherheitsprüfung neuer Produkte zu überdenken, so die Autoren. Denn: Obwohl E2 und P4 das Brustkrebsrisiko nachweislich steigern, werden bei den derzeitigen Sicherheitstests an Tieren die Veränderungen des Hormonspiegels in den Brustdrüsen als Reaktion auf eine chemische Belastung nicht berücksichtigt. RG

Quelle:

Cardona B, Rudel RA: Application of an in vitro assay to identify chemicals that increase estradiol and progesterone synthesis and are potential breast cancer risk factors. Environ Health Perspect 2021; 129(7): 77003.

ICD-Codes: C50.9
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