Krankhafter Kaufzwang | Gyn-Depesche 2/2017

Jeder Zwanzigste im Kaufrausch

Für den einen ist Einkaufen eine lästige Notwendigkeit, für andere ist es angenehmes Hobby. Im Extremfall kann Einkaufen zur Sucht werden, oft mit dramatischen Folgen. Dabei ist die Prävalenz von krankhaftem Kaufzwang gar nicht so gering.

Kaufsüchtige empfinden oft einen starken Drang oder eine zunehmende Angst, die erst nach dem Tätigen eines Einkaufs zurückgeht. Die Folgen sind häufig eine hohe Verschuldung, Zahlungsunfähigkeit und manchmal auch Gesetzeskonflikte. Oft wirkt sich die Sucht auch negativ auf das soziale Umfeld auf. Ein Kaufzwang gilt als Indikator für psychiatrische Störungen und Drogenmissbrauch. Vermutlich setzt die Kaufsucht meist im späten Jugend- bis frühen Erwachsenenalter ein. Studien zufolge sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Zur Prävalenz gibt es einer aktuellen Metaanalyse zufolge sehr unterschiedliche Angaben. Die gepoolte Analyse ergab eine Kaufsucht- Prävalenz von 4,9%. Bei den Studentenerhebungen lag die Prävalenz bei 8,3%. Shopping- Center-Besucher und andere Einkauf-spezifische Gruppen brachten es sogar auf 16,2%. Die hohe Heterogentität der Schätzwerte führten die Forscher überwiegend auf die Unterschiede in den untersuchten Zeiträumen, den verwendeten Definitionen und Screeningmethoden zurück. Aufgrund der Prävalenz sollte ein krankhafter Kaufzwang nicht in seiner Bedeutung unterschätzt werden. OH


Quelle:

Maraz A et al.: The prevalence of compulsive buying: a meta-analysis. Addiction 2016; 111: 408-19

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