Editorial | Gyn-Depesche 3/2018

Kannibalismus ... oder steckt mehr dahinter?

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!
 
Kim Kardashian hat es angeblich getan, und Tom Cruise womöglich auch ... sowie zahlreiche andere Stars und Sternchen, die es immer wieder in die Medien drängt. Die Rede ist vom Verzehr der Plazenta nach der Geburt eines Kindes – auch Plazentophagie genannt, oder, die Dinge vielleicht treffender bezeichnend, Plazenta-Kannibalismus.
Liest man die Berichte und Kommentare zu diesem „Phänomen“, findet man entweder dogmatische Befürworter, die die Wirkung des oral aufgenommenen Plazentagewebes preisen, oder Menschen, die ob der reinen Vorstellung schon angewidert das Gesicht verziehen. Aber wie sehen die wissenschaftlichen Fakten zur Plazentophagie aus? Autoren aus Wien und New York haben sich dem Thema angenommen und alle verfügbaren Daten zusammengetragen. Den Bericht lesen Sie in unserer Rubrik „Die Dritte Seite“ auf Seite 6.
Soviel sei vorweg genommen: Wissenschaftlich gibt die Plazentophagie nicht viel her, ist vielleicht sogar gefährlich. Und deren kulinarische Qualitäten sind wohl ebenso diskutabel. Es finden sich dennoch zahlreiche Rezepte zur Plazentazubereitung im Internet – Plazentapulver, das nach Trocknung bei 50° C für 24 Std. im Backofen und folgender Bearbeitung mit der Muskatreibe entsteht; oder Plazenta-Lasagne, verfeinert mit 2 Knoblauchzehen, ½ TL Oregano und ½ gehackte Zwiebel. Da scheint die kommerzielle Herstellung von Plazenta-Kapseln, wie sie in unserem Beitrag erwähnt wird, noch das kleinste Übel darzustellen ...
Zu guter Letzt: Falls Sie sich jetzt fragen, weshalb unsere Rubrik „Die Dritte Seite“ eigentlich auf Seite 6 im Heft zu finden ist, schreiben Sie mir eine kurze E-Mail, dann erläutere ich Ihnen gerne auch dieses „Phänomen“.
 
Dr. med. Christian Bruer
Chefredakteur

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