Gleitmittel | Gyn-Depesche 2/2019

Kein Einfluss auf die FruchtbarkeitVerIm Rahmen zweier Kohortenstudien gaben 6.467 Paare mit Kinderwunsch alle zwei Monate Auskunft darüber, ob und wenn ja, welche Gleitmittel sie beim Geschlechtsverkehr benutzten. 17,5 % der Teilnehmer verwendeten Gleitm

Gleitmittel stehen im Verdacht, die Motilität und Lebensdauer von Spermien zu verringern und dadurch die Fertilität zu reduzieren. Eine Studie konnte dies nun widerlegen.

Im Rahmen zweier Kohortenstudien gaben 6.467 Paare mit Kinderwunsch alle zwei Monate Auskunft darüber, ob und wenn ja, welche Gleitmittel sie beim Geschlechtsverkehr benutzten. 17,5 % der Teilnehmer verwendeten Gleitmittel, die meisten wasserbasierte ohne pH-Anpassung. 3,9 % gaben an, ein Gleitgel zu verwenden, das aufgrund seines am Zervixschleim orientierten pH-Werts als besonders fertilitätsfreundlich beworben wird. Innerhalb von zwölf Monaten wurden insgesamt 76,3 % der Frauen schwanger.
Der Gebrauch eines wasserbasierten Gleitgels beeinflusste die Konzeptionswahrscheinlichkeit nicht. Frauen, die ein ölhaltiges Gleitmittel verwendeten, wurden geringfügig schneller schwanger. In Subgruppenanalysen zeigte sich, dass dies in erster Linie für ältere, nullipare Frauen galt. In einer Kohorte ergab sich außerdem eine dosisabhängige Assoziation: Bei Frauen, die nach eigener Aussage „immer“ beim Geschlechtsverkehr ein ölbasiertes Gleitmittel nutzten, stieg die Konzeptionswahrscheinlichkeit sogar um 89 % im Vergleich zu denen, die auf ein Gleitmittel verzichteten. Auch die Verwendung von silikonhaltigen Präparaten verbesserte die Fertilität; hier waren jedoch die Zahlen für aussagekräftige Analysen zu gering. Nach Ansicht der Autoren sind spezielle Gels mit pH-Anpassung aber nicht notwendig. CW

Kommentar

Die Studienergebnisse widersprechen zwar der bisherigen Lehrmeinung. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl und der Differenzierung nach dem Typ der verwendeten Gleitmittel könnten sie die Beratungspraxis jedoch deutlich verändern – wenn sie durch weitere Studien bestätigt werden. Zu beachten ist allerdings, dass Frauen mit Hinweisen auf eine bestehende Infertilität ausgeschlossen waren und die Ergebnisse deshalb nicht auf diesen Patientenkreis übertragbar sind.

Quelle:

McInerney KA et al.: Lubricant use during intercourse and time to pregnancy: a prospective cohort study. BJOG 2018; 125: 1541-8

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