Vaginales Progesteron

Gyn-Depesche 3/2021

Kein genereller Nutzen bei Geminigravidität

Bei Einlingsschwangerschaften mit einer Zervixverkürzung senkt vaginales ­Progesteron das Frühgeburtsrisiko und verbessert das neonatale Outcome. Bei Zwillingsschwanger­schaften scheint nur in bestimmten Fällen ein Vorteil zu bestehen.

Obwohl Zwillingsschwangere im Vergleich zu Einlingsschwangeren ein zehnfach ­hö­heres Risiko für eine spontane Früh­ge­burt vor der 34. Schwangerschaftswoche (SSW) haben, konnten verschiedene Studien diesbezüglich kei­nen Behandlungsvorteil von vaginalem Progesteron zeigen, berichtet das Team um Anoop Rehal vom King’s College in London. Möglicherweise müsse bei Geminigraviditäten eine ­höhere Dosis gewählt und die Behand­lung in einem früheren Gestations­alter begonnen werden. Diese Hypothese teste­ten sie in der an 22 europäischen Kliniken durchgeführten Studie EVENTS: 582 Zwillingsschwangere wendeten ­zwischen dem Gestationsalter elfte bis 14. SSW und 34. SSW ­zweimal täglich je 300 mg vaginales Progesteron an. Die 587 Kontrollen erhielten ein ­Placebo.
Nach Ausschluss von Geburten vor der 24. SSW sowie medizinisch indizierten Entbin­dungen vor der 34. SSW betrug die Rate der Spontanfrühgeburten zwischen der SSW 24 + 0 und der SSW 33 + 6 in der Progesterongruppe 10,4 % und in der Placebogruppe 8,2 %. Diese Dif­ferenz war statistisch nicht signifikant. Es bestand zudem kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Therapieeffekt und der Chorionizität, der Parität, dem Konzep­tionsmodus oder der Therapieadhärenz. Jedoch schien die Behandlung Schwangeren mit einer Zervixlänge von 30 mm oder mehr tendenziell eher zu schaden, wogegen Frauen mit einer Zervixlänge unter 30 mm tendenziell von Progesteron profitierten. Eine Post-hoc-Time-to-Event-Analyse bestä­tigte diese Ergebnisse, ­wo­bei sich ein signifikanter Vorteil bezüglich der spontanen Früh­geburt vor der 32. SSW zeigte. Im ­Hinblick auf ­verschiedene fetale und ­neonatale Endpunkte sowie die Nebenwir­kungs­häufigkeit unterschieden sich die beiden Studienkollektive dage­gen nicht.
Zwillingsschwangere profitieren hinsichtlich des Spontanfrühgeburtsrisikos ­zwischen der 24. und 34. SSW nicht von einer routinemäßigen vaginalen Pro­gesteronprophylaxe, so das Fazit der Forscher:innen. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass für Frauen mit einer Zervixlänge unter 30 mm ein Schutz gegenüber einer Frühgeburt vor der 32. SSW besteht, während die ­Behandlung bei einer ­längeren Zervix womöglich sogar eher schadet. LO
Quelle: Rehal A et al.: Early vaginal progesterone versus placebo in twin pregnancies for the prevention of spontaneous preterm birth ... Am J Obstet Gynecol 2021; 224(1): 86.e1-86.e19
ICD-Codes: O30.0
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