Schlingen-OP | Gyn-Depesche 6/2019

Keine Evidenz für Antibiotikaprophylaxe

Etwa jede dritte Frau entwickelt nach einer midurethralen Schlingen-OP eine Harnwegsinfektion. Kanadische Autoren suchten Belege für verschiedene Interventionen zur Risikoreduktion.
Eine internationale Datenbanksuche ergab sieben Studien, in denen die Rate an Infektionen des Harntrakts nach einer midurethralen Schlingen-OP mit oder ohne begleitende Prolapschirurgie untersucht wurde. Mit dem Ziel einer Reduktion des Infektionsrisikos hatte jeweils ein Teil der Patientinnen eine prä- oder postoperative Antibiotikaprophylaxe erhalten.
Die einzige randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) mit einer präoperativen i.v.-Antibiotikagabe wurde aufgrund von unerwartet geringen Infektionsraten und Schwierigkeiten bei der Teilnehmerrekrutierung vorzeitig gestoppt. In drei weiteren RCTs und drei Beobachtungsstudien kamen verschiedene postoperative Regime zum Einsatz. Vier davon, die den Effekt einer oralen Nitrofurantoingabe (1-2x tägl. 100 mg) bei katheterisierten Patientinnen evaluierten, gingen in eine Metaanalyse ein. Es zeigte sich, dass durch postoperatives Nitrofurantoin zwar die Infektionsrate sank (relatives Risiko 0,73), der Unterschied zur Vergleichsgruppe aber nicht signifikant war. Betrachtete man nur das Risiko einer Bakteriurie mit symptomatischer Infektion zum Zeitpunkt der Katheterentfernung, so ergab sich in zwei Studien ein positiver Effekt von Nitrofurantoin bzw. Prulifloxacin.
Somit scheint bei einer Schlingen-OP alleine eine präoperative Antibiotikaprophylaxe nicht notwendig zu sein, da das Risiko einer Infektion des Harntrakts ohnehin gering ist. Bei einer zusätzlichen Deszensus- Korrektur scheint zumindest postoperatives Nitrofurantoin kaum effektiv zu sein. CW
Quelle: Sanaee MS et al.: Urinary tract infection prevention after midurethral slings in pelvic floor ... Acta Obstet Gynecol Scand 2019; doi: 10.1111/aogs.13661

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