Frühgeburten | Gyn-Depesche 5/2018

Langfristig erhöhter Förderbedarf

Kognitive und motorische Einschränkungen von Frühchen bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen. Das belegt eine aktuelle Metaanalyse.

Londoner Wissenschaftler isolierten aus medizinischen Datenbanken 74 Studien mit insgesamt über 64 000 Teilnehmern, in denen die neurologische Entwicklung von früh- mit derjenigen von reifgeborenen Kindern ab einem Alter von zwei Jahren verglichen wurde.
Vom Kleinkind bis nach Ende des Schulalters schnitten Frühgeborene in Intelligenztests signifikant schlechter ab. Gravierend waren insbesondere die Unterschiede im Handlungs-IQ: Knapp die Hälfte der Varianz ließ sich hier durch eine zu frühe Geburt erklären. Im verbalen Bereich zeigten vor allem vor der 34. SSW geborene Kinder Einschränkungen, während sich späte Frühchen nicht von gleichaltrigen termingerecht Geborenen unterschieden. Auch beim Arbeitsgedächtnis und bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit ergaben sich Leistungseinbußen, die bis ins Erwachsenenalter anhielten.
Bei den schulischen Leistungen blieben Frühgeborene bis zur Sekundarstufe hinter ihren Altersgenossen zurück. Lediglich im mathematischen Bereich schienen sich die Unterschiede zu reifgeborenen Kindern nach der Grundschule zu nivellieren. Motorische Einschränkungen fanden sich bis zum Alter von etwa zehn Jahren; bei größeren Kindern fehlten entsprechende Studien. Verhaltensauffälligkeiten waren bei Frühchen bis zum Ende des Schulalters ausgeprägter. ADHS wurde fast doppelt so häufig wie bei Termingeborenen diagnostiziert – bei extremen Frühchen sogar drei- bis viermal so häufig.
Aufgrund der Ergebnisse der Metaanalyse halten es die Londoner Wissenschaftler für wichtig, bei der Terminierung einer elektiven Frühgeburt aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen auch das Risiko von neurologischen Langzeitfolgen abzuwägen. Zudem sollten sich die Eltern, Betreuer und Lehrer über den erhöhten Förderbedarf von Frühgeborenen während der gesamten Schullaufbahn bewusst sein. CW

Quelle:

Allotey J et al.: Cognitive, motor, behavioural and academic performances of children born preterm: a meta-analysis and systematic review involving 64 061 children. BJOG 2018; 125: 16-25

ICD-Codes: O60

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