MRT-Studie | Gyn-Depesche 5/2019

Langfristige Gehirnveränderungen durch die Pille

Das Volumen verschiedener Hirnstrukturen wird, wie Studien nahelegen, von exogenen Hormonen merklich beeinflusst. Österreichische Neurowissenschaftlerinnen wiesen jetzt nach, dass die Veränderungen im Gehirn durch orale Kontrazeptiva auch nach deren Absetzen noch lange erhalten bleiben können.
Im Rahmen der Studie verglichen die Wissenschaftlerinnen an der Universität von Salzburg strukturelle MRT-Aufnahmen von 131 gesunden Frauen zwischen 18 und 35 Jahren mit natürlichem Menstruationszyklus. 52 der Probandinnen hatten noch nie hormonell verhütet, 52 in der Vergangenheit mindestens drei Monate lang ein orales Kontrazeptivum eingenommen und 27 mehrere verschiedene Präparate verwendet. Im Schnitt entsprach die Dauer der Pilleneinnahme (3,6 Jahre) in etwa der pillenfreien Zeit vor der MRT (3,3 Jahre).
Wie man basierend auf den Erkenntnissen aus früheren Studien bereits erwartet hatte, ergab sich eine positive Korrelation zwischen der Dauer der hormonellen Kontrazeption und dem Volumen des Hippocampus und der Basalganglien. Berücksichtigte man als Einflussfaktor allerdings, wie viel Zeit seit dem Absetzen der Pille vergangen war, so verschwand die Assoziation. Offensichtlich war der Effekt also reversibel.
Anders sah es allerdings bei den Basalganglien aus: Zwar nahm die Graue Substanz auch hier bilateral mit der Zeit wieder ab, doch blieb die Korrelation zwischen Pilleneinnahme und Volumen weiterhin erhalten.
Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass sich der Hippocampus etwa in dem gleichen Tempo zurückbildet, wie er während der Hormongabe an Volumen zugelegt hat. Bei den Basalganglien scheint dieser Rückbildungsprozess dagegen eine längere Zeit in Anspruch zu nehmen. CW
 

 

Quelle: Pletzer B et al.: Previous contraceptive treatment relates to grey matter volumes in the hippocampus and basal ganglia. Sci Rep 2019; 9(1): 11003

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