Kognitive Degeneration | Gyn-Depesche 5/2018

Mäßiger Alkoholkonsum doch nicht gesund

Zumindest für das Gehirn scheint es nicht zu stimmen, dass ein Glas Wein hier und da gesundheitsförderlich ist. Denn einer aktuellen Studie aus dem UK nach führen selbst kleinste Alkoholmengen zu pathologischen Hirnschäden.

Über 30 Jahre erfasste man in etwa fünfjährigen Abständen verschiedene Gesundheits-und Lebensstilparameter von 550 nicht-alkoholabhängigen Männern und Frauen (Durchschnittsalter 43 Jahre). Per Fragebogen wurde dabei die pro Woche konsumierte Menge an Alkoholeinheiten erfasst (eine Einheit entspricht 10 ml bzw. 8 g Alkohol). Mit durchschnittlich 11,5 Einheiten war der Alkoholkonsum der Männer gemäß den aktuellen UK-Empfehlungen als mittelhoch einzustufen, der Konsum der Frauen als niedrig (6,4 Einheiten).
Bei jeder Untersuchung wurden kognitive Tests und am Studienende ein Hirn-MRT durchgeführt. Das Ergebnis war ernüchternd: Dosisabhängig nahm mit der Höhe der Alkoholmenge die Dichte der grauen Gehirnmasse ab, vor allem im Hippocampus und im anterioren Bereich der Amygdala. Exzessive Trinker (30 Einheiten) hatten gegenüber Abstinenten ein fast sechsmal höheres Hirnatrophie-Risiko; aber auch moderate Alkoholmengen (7 bis 13 Einheiten) ließen das Risiko um mehr als das Dreifache ansteigen. Ein protektiver Effekt von nur geringen Alkoholmengen (maximal 6 Einheiten) wurde nicht festgestellt. Das Alkoholtrinken war zudem mit Schäden der weißen Gehirnmasse verbunden und sorgte für Einbußen in der Sprachflüssigkeit – ein Hinweis auf eine reduzierte exekutive Funktion. OH

Quelle:

Topiwala A et al.: Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. BMJ 2017; 357: j2353

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