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Geschlechterdünkel

Gyn-Depesche 2/2022

Männer operieren Frauen schlechter

Das postoperative Ergebnis ist nach einem Eingriff, der von einer Frau durchgeführt wurde, besser als nach der Behandlung durch einen Mann. Dabei scheint es sich weniger um eine Frage der ärztlichen Kompetenz zu handeln, als mehr um ein zwischenmenschliches Problem.
Forschende aus Kanada haben in einer populationsbasierten Studie das Behandlungsergebnis von 1.320.108 Patienten analysiert, die sich einem von 21 gängigen elektiven oder dringenden chirurgischen Eingriffen unterzogen hatten. Bestand eine Geschlechterdiskordanz – wenn also eine Ärztin einen männlichen Patienten behandelte oder ein Arzt eine Frau versorgte – war das postoperative Outcome geringfügig, aber statistisch signifikant schlechter als bei Patienten und Patientinnen, die von ärztlichem Personal des gleichen Geschlechts behandelt wurden. So war eine Geschlechterdiskordanz mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Tod und Komplikationen innerhalb von 30 Tagen nach der OP verbunden (adjustierte Odds Ratio 1,07 bzw. 1,09).
Die Forschenden dröselten die Daten weiter auf und fanden heraus, dass die Assoziation zwischen der Geschlechterdiskordanz und dem postoperativen Ergebnis vor allem auf das schlechtere Outcome bei Frauen zurückzuführen war, die von Männern versorgt wurden. In der Subgruppe der Männer war es dagegen unerheblich, ob der Eingriff von einer Frau oder einem Mann durchgeführt worden war.
Was sind die Gründe für dieses Ungleichgewicht? Frühere Studienergebnisse deuten darauf hin, dass männliche Ärzte den Schweregrad der Symptome bei weiblichen Patienten häufiger unterschätzen als bei Männern. Weibliche Patienten sind im Gespräch mit männlichen Behandlern offenbar weniger aufrichtig und neigen dazu, Beschwerden zu marginalisieren. RG
Quelle: Wallis CJD et al.: Association of surgeon-patient sex concordance with postoperative outcomes. JAMA Surg 2022; 157(2): 146-56
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