CAVE: Kontrazeption bei Long-QT-Syndrom

Gyn-Depesche

Mehr kardiale Ereignisse unter Gestagenpillen

US-Mediziner haben die Sicherheit oraler Kontrazeptiva bei Frauen mit angeborenem Long-QT-Syndrom untersucht. Die Ergebnisse legen nahe, dass reine Gestagenpräparate bei diesen Patientinnen zukünftig nur noch mit größter Vorsicht eingesetzt werden sollten.

Das Long-QT-Syndrom ist eine seltene Störung der Erregungsleitung des Herzens mit einem pathologisch verlängerten QT-Intervall im EKG. Die Erkrankung geht mit einer hohen Prädisposition für kardiale Ereignisse einher.
Unerforscht war bislang, ob die Einnahme oraler Kontrazeptiva die Prognose von Frauen mit Long-QT-Syndrom beeinflusst. Ein Team um den Kardiologen Prof. Ilan Goldenberg vom University of Rochester Medical Center ist dieser Frage nun im Rahmen einer Registerstudie nachgegangen. Die Autoren werteten die Daten von 1.659 Frauen im Alter zwischen 15 und 40 Jahren mit kongenitalem Long-QT-Syndrom aus, von denen 370 ein orales Kontrazeptivum einnahmen – entweder ein Gestagen-Monopräparat, eine reine Östrogenpille oder ein kombiniertes orales Kontrazeptivum. In der Analyse berücksichtigt wurden darüber hinaus Informationen zu potenziellen Schwangerschaften, dem Zeitpunkt der Menarche sowie dem Eintritt der Menopause.

Wenn Gestagenpille, dann mit Betablocker

Im Beobachtungszeitraum von 2010 bis März 2021 wurden insgesamt 2.027 kardiale Ereignisse dokumentiert. Besonders häufig betroffen waren Frauen, die reine Gestagenpräparate einnahmen. In dieser Subgruppe war das Risiko für ein kardiales Ereignis fast dreifach erhöht – vorausgesetzt, die Patientinnen wurden nicht wie standardmäßig beim Long-QT-Syndrom üblich mit Betablockern behandelt. Das höchste ­Risiko trugen Gestagenpillen-Anwenderinnen mit Long-QT-Syndrom Typ 2.
Bei denen, die begleitend zum Gestagen-Monopräparat Betablocker erhielten, wurde kein Unterschied zu anderen Formen der oralen Kontrazeption beobachtet. Die Einnahme eines reinen Östrogenpräparates oder eines kombinierten oralen Kontrazeptivums war mit einem ähnlichen kardialen Risiko verbunden, wie das der Frauen mit Long-QT-Syndrom, die nicht anhand oraler Kontrazeptiva verhüteten.
Wie Goldenberg bei der Erstvorstellung der Studie auf dem diesjährigen Kongress der Heart Rhythm Society erklärte, müssten diese Forschungsergebnisse schnellstmöglich in die klinische Praxis implementiert werden. So sollten Frauen mit Long-QT-Syndrom, die reine Gestagenpräparate zur Verhütung nutzen, über Alternativen nachdenken – oder, falls ein Wechsel des Kontrazeptivums nicht möglich ist, in jedem Fall eine Therapie mit Betablockern in Betracht ziehen. RG

Quelle:

Goldenberg I et al.: Use of oral contraceptives in women with congenital long QT syndrome. Heart Rhythm 2021, 30: S1547-5271(21)01987-1

ICD-Codes: E87.6
Urheberrecht: Adobe Stock - Mstock
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x