Gyn-Depesche 2/2018

Antidepressiva in der Schwangerschaft

Mehr psychiatrische Erkrankungen bei Kindern

Eine dänische Bevölkerungsstudie lieferte Hinweise, dass die Einnahme von Antidepressiva in der Schwangerschaft das Risiko von psychiatrischen Erkrankungen beim Nachwuchs erhöhen könnte.

Von rund 900 000 Kindern wurden bisher 32 400 wegen einer psychiatrischen Erkrankung behandelt. Das mittlere Alter bei der Erstdiagnose betrug 8,5 Jahre. Es stellte sich heraus, dass das Erkrankungsrisiko höher war, wenn die Mutter während der Schwangerschaft SSRI oder andere Antidepressiva eingenommen hatte: Die bereinigte kumulative 15-Jahres-Inzidenz von psychiatrischen Erkrankungen kletterte in diesem Fall auf 13,6%. Hatte die Mutter dagegen in den letzten zwei Jahren keine Antidepressiva erhalten, lag die Inzidenz nur bei 8,0%. 11,5% betrug sie, wenn die Mittel vor der Schwangerschaft abgesetzt wurden. Begann die Behandlung erst während der Gravidität, erkrankten später 14,5% des Nachwuchses.
Ob die Mütter SSRI oder andere Antidepressiva einnahmen, wirkte sich nicht auf die Erkrankungszahlen aus. Wurde eine vor der Schwangerschaft begonnene Therapie fortgesetzt, stieg das Risiko für eine spätere psychiatrische Erkrankung des Kindes um 27% im Vergleich zum Behandlungsabbruch. Ob allerdings tatsächlich die Medikamente der Mutter Ursache der höheren Erkrankungshäufigkeit der Kinder waren, oder ob es sich um ein „genetisches Risiko“ handelt, konnte die Registerstudie naturgemäß nicht beantworten. CW

Quelle:

Liu X et al.: Antidepressant use during pregnancy and psychiatric disorders in offspring: Danish nationwide register based cohort study. BMJ 2017; 358: j3668



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