Urogenitales Menopausensyndrom

Gyn-Depesche 3/2021

Mindestens jede zweite Betroffene bleibt unbehandelt

Das urogenitale Menopausensyndrom (GSM) wird nach wie vor zu selten diagnostiziert. Ärzteschulungen scheinen nur eine geringe Verbesserung zu bringen – solange die Patientinnen nicht einbezogen werden.
Wissenschaftler des US-amerikanischen Gesundheitsfürsorgeunternehmens Kaiser Permanente hatten ein mehrstufiges Trainingsinstrument entwickelt, das die Versorgung von Frauen mit einem GSM verbessern sollte. Dessen Wirksamkeit wurde in 18 hausärztlichen und gynäkologischen Gemeinschaftspraxen getestet, die randomisiert der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeordnet wurden. Die Intervention umfasste CME-Fortbildungen zum GSM in Form von persönlichen und Online-Präsentationen, digitale Diagnose- und Verordnungshilfen sowie Infomaterial für Patientinnen. Innerhalb des einjährigen Studienzeitraums führten 386 Ärztinnen und Ärzte 14.921 Routineuntersuchungen von über 55-jährigen Frauen durch. Bei 6,6 % der Patientinnen wurde eine vulvovaginale Erkrankung diagnostiziert, bei 2,7 % eine urologische.
Es fand sich jedoch kein signifikanter Unterschied in der Diagnosehäufigkeit zwischen den Interventions- und den Kontrollpraxen (7,2 % vs. 5,8 % bzw. 2,5 % vs. 3,1 %). Vaginales Östrogen wurde in beiden Gruppen ebenfalls annähernd gleich häufig verschrieben (4,5 % vs. 3,7 %). Unterschiede zeigten sich allerdings zwischen den Gynäkologen und Gynäkologinnen, die knapp 20 % der Untersuchungen durchgeführt hatten, und den Hausärztinnen und -ärzten: Während sich die Rate der vulvovaginalen Diagnosen bei den Spezialisten durch die Schulung signifikant von 19,3 % auf 26,3 % erhöhte, blieb sie in der Primärversorgung unverändert niedrig bei rund 3,5 %. Auch der Einsatz von elektronischen Entscheidungshilfen und Patienteninfomaterial war in der Gynäkologie beliebter. Der Unterschied zwischen Haus- und Fachärztinnen und -ärzten lässt sich womöglich mit dem größeren Wissen der Gynäkologen zur Menopause erklären.
Insgesamt beurteilte das Autorenteam den Erfolg der Intervention jedoch als enttäuschend. Angesichts einer geschätzten Prävalenz von etwa 50 % war das GSM in beiden Gruppen nach wie vor unterdiagnostiziert. Um die Versorgung der betroffenen Patientinnen nachhaltig zu verbessern, halten die Autoren es für notwendig, das in der medizinischen Ausbildung vermittelte Wissen über die Menopause zu erweitern. Neben einem gezielten Screening auf GSM-Symptome in der Arztpraxis setzen sie auf Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung. CW
Quelle: Vesco KK et al.: Improving management of the genitourinary syndrome of menopause: evaluation of a health system-based, cluster-randomized intervention. Am J Obstet Gynecol 2020; doi: 10.1016/j.ajog.2020.07.029
ICD-Codes: N42.8
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