Monochoriale Zwillinge – schwere Folgen | Gyn-Depesche 5/2016

Nach selektivem Fetozid: Überlebender Zwilling häufiger entwicklungsverzögert

Kommt es bei einer monochorialen Geminigravidität zum selektiven Fetozid, behält der überlebende Zwilling nicht selten neurologische Beeinträchtigungen zurück. Das zeigt eine prospektive Langzeitstudie aus Leiden/Niederlande, die entsprechende „überlebende“ Kinder untersuchte.

Die Studienautoren untersuchten und testeten 74 Zwei- bis Zwölfjährige. Ihr Zwilling war zwischen 2000 und 2011 im Universitätsklinikum Leiden in der 13. bis 30. Schwangerschaftswoche „geopfert“ worden, um ihr Überleben wahrscheinlicher zu machen. Indikationen waren v. a. das fetofetale Transfusionssyndrom, Fehlbildungen oder TRAP-(Twin Reversed Arterial Perfusion)- Sequenz. Der Fetozid erfolgte meist mittels fetoskopischer Laserkoagulation oder bipolarer Koagulation der Nabelschnur.
Im Durchschnitt lag der Intelligenzquotient bei 105 (bei einer Verteilung von 62 bis 131), doch Entwicklungsverzögerungen sowie Verhaltensauffälligkeiten fanden sich häufiger als in der Gesamtbevölkerung. Bei fünf (6,8%) der Kinder zeigte sich eine Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung, bei vier (5,4%) eine starke kognitive Entwicklungsverzögerung. Zudem hatten zwei Kinder (2,7%) eine Zerebralparese und ein Kind (1,4%) entwickelte sich motorisch stark verzögert. 14,5% galten als verhaltensauffällig.
45% aller Teilnehmer, darunter vier der neurologisch stark beeinträchtigten Kinder, waren Frühgeburten, merken die Autoren an. In der multivariaten Analyse fanden sie zudem einen Zusammenhang zwischen Bildungsstand der Eltern und kognitiver Entwicklung der Kinder. Viel spreche nach einem Fetozid für eine zerebrale Bildgebung vor und direkt nach der Geburt des überlebenden Zwillings und für frühe Tests seiner neurologischen Entwicklung. PP

Quelle:

Van Klink JMM et al.: Long-term neurodevelopmental outcome after selective feticide in monochorionic pregnancies. BJOG2015; 122: 1517-24

ICD-Codes: O36.8

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