Adenokarzinomen vorbeugen | Gyn-Depesche 5/2020

Nachbeobachtung zur Prävention

In einer norwegischen Studie wurde der Zusammenhang zwischen atypischen glandulären Veränderungen in der Zervixzytologie und der möglichen Entstehung gynäkologischer Tumoren über einen längeren Zeitraum hinweg untersucht. Mit ernstzunehmenden Resultaten für gezielte Krebsvorbeugemaßnahmen.
Im Rahmen der Studie wurden im Zeitraum von 1992 bis 2014 bei 142.445 Frauen Zervixabstriche untersucht – 130.455 mit NC-NEC (normal/benign cells, but absence of endocervical or metaplastic cells), 10.019 mit AGUS (atypical glandular cells of undetermined significance) und 1.971 mit ACIS (adenocarcinoma in situ).
In einem Beobachtungszeitraum von 12,6 Jahren bei ACIS, 10,3 Jahren bei AGUS und 4,6 Jahren bei NC-NEC traten bei 6,5 %, 2,6 % und 0,3 % der Fälle gynäkologische Tumoren auf, wobei Adenokarzinome am häufigsten zu verzeichnen waren. So waren zum Beispiel bei 13 % der Fälle mit einer ACIS nach ein bis drei Jahren zervikale Adenokarzinome nachweisbar. Das kumulative Risiko eines zervikalen Adenokarzinoms nach ACIS, AGUS und NC-NEC lag dabei entsprechend bei 3,5 %, 0,9 % und 0,05 % nach 22, 22 bzw. neun Jahren.
 

 

Während nach einer ACIS-Zytologie kein altersbedingter Unterschied beim Auftreten von CIN1- und CIN2- Histologien zu verzeichnen war, konnten bei Frauen im Alter von ≥ 35 Jahren öfters maligne Läsionen nachgewiesen werden, als in der jüngeren Kohorte unter 35 Jahren. Wiederum nach einer AGUS-Zytologie traten bei jüngeren Frauen < 35 Jahren öfters CIN-Läsionen auf als bei den Älteren, während bei den ≥ 35-Jährigen häufiger invasive Adenokarzinome diagnostiziert wurden. Das Verhältnis von Plattenepithelkarzinomen nach einer AGUS-Zytologie unterschied sich in den beiden Altersgruppen hingegen nicht. Diese Daten zeigen, dass bei ACIS- und AGUS-Zytologien ein erhöhtes Risko für glanduläre Malignome besteht.
Somit könnte mit Hilfe des zytologischen Screenings sowie durch Nachuntersuchungen bei Vorhandensein entsprechender Behandlungsoptionen der Entstehung von Adenokarzinomen vorgebeugt werden, so die Autoren. GH
Quelle: Graue R et al.: Atypical glandular lesions of the cervix and risk of cervical cancer. Acta Obstet Gynecol Scand 2020; 99: 582–90
ICD-Codes: C53.9

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