Stressinkontinenz | Gyn-Depesche 6/2017

Nadeln gegen Harnverlust?

Die Belege dafür, dass Elektroakupunktur den Urinverlust bei Stressinkontinenz verringert, sind bislang eher dünn. Mehr Evidenz brachte eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie aus China.

In zwölf chinesischen Krankenhäusern erhielten 482 Frauen mit einer isolierten Stressinkontinenz im Verlauf von sechs Wochen entweder 18 Elektroakupunktur-Behandlungen der Lumbosakralregion oder die gleiche Anzahl von Schein-Behandlungen. In der Vergleichsgruppe kamen spezielle Plazebo-Nadeln ohne Strom zum Einsatz, die 2 cm neben den Akupunkturpunkten platziert wurden.
Zu Studienbeginn lag der Urinverlust, gemessen im einstündigen Pad-Test, bei 18,4 g in der Elektroakupunkturgruppe und 19,1 g in der Plazebogruppe. Nach sechs Wochen betrug er noch 8,2 bzw. 16,8 ml. Der Unterschied von im Mittel 7,4 g erwies sich als hochsignifikant. Bei knapp zwei Dritteln der Verumgruppe reduzierte sich der Urinverlust um mehr als 50%. Auch die Zahl der Inkontinenzereignisse innerhalb von 72 Stunden sank in der Elektroakupunkturgruppe stärker.
Der Effekt der sechswöchigen Elektroakupunktur- Behandlung entsprach hinsichtlich der Reduktion des Urinverlusts in etwa einem zwölfwöchigen Beckenbodentraining. Auch die Wirkungsweise könnte sich ähneln: Die Elektrostimulation der Akupunkturpunkte BL33 und BL35 in der Lumbosakralregion könnte Muskelkontraktionen auslösen und so ein Beckenbodentraining simulieren. CW

Quelle:

Liu Z et al.: Effect of electroacupuncture on urinary leakage among ... JAMA 2017; 317: 2493-501

ICD-Codes: N39.3

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