Unterschiedliche Diagnosekriterien bei Gestationsdiabetes | Gyn-Depesche 3/2020

Niedrigere Grenzwerte sind vorteilhaft

Kanadische Autoren verglichen die Komplikationsraten von Müttern und Kindern bei zwei unterschiedlichen Diagnosekriterien für Gestationsdiabetes.
In Ontario durchliefen 90.140 Schwangere die in Kanada üblichen zweistufigen Blutglucosetests zur Diagnose eines Gestationsdiabetes (GDM): Ergab ein 50g-Glucose-Challenge-Test (GCT) Werte zwischen 7,8 und 11,0 mmol/l, so erfolgte zusätzlich ein 75g-oGTT. Wurde bei diesem ein Blutglucosewert von mindestens 5,3 mmol/l nüchtern, 10,6 nach einer Stunde oder 9,0 nach zwei Stunden erreicht, stellte man nach den geltenden Kriterien der kanadischen Fachgesellschaft GDM fest und behandelte die Schwangeren entsprechend. Dies war bei 26,0 % der Getesteten der Fall.
Weitere 10,9 % entsprachen „nur“ den GDM-Kriterien der IADPSG (International Association of Diabetes and Pregnancy Study Groups). Diese Gruppe erhielt keine Therapie. Wie erwartet stieg bei allen Frauen mit einer anormalen Glukosetoleranz das Risiko für hypertone Schwangerschaftserkrankungen, Frühgeburt, Sectio, LGA-Babys, Schulterdystokie oder intensivmedizinische Versorgung des Kindes. Schwangere, die zwar den IADPSG-Kriterien entsprachen, nicht aber denen des kanadischen Zweistufentests, wiesen im Vergleich zu den GDM-Patientinnen jedoch ein noch höheres Risiko für fetale Makrosomie und Schulterdystokie auf. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass auch diese Gruppe von Diätempfehlungen, Blutzuckerkontrolle und eventuell einer pharmakologischen Behandlung profitieren würde. CW
Quelle: Shah BR, Sharifi F: Perinatal outcomes for untreated women with gestational diabetes by IADPSG criteria: a population-based study. BJOG 2020; doi: 10.1111/1471-0528.15964
ICD-Codes: O24.4

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