Genu varum bei Kindern | Gyn-Depesche 6/2018

Normal oder pathologisch?

Zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat entwickeln Kinder eine Varusstellung, die meist bis zur Adoleszenz ganz verschwindet oder nur noch schwach ausgeprägt ist. Selten müssen kleine Kinder mit Genu varum an einen Orthopäden überwiesen werden, z. B. beim Blount-Syndrom. Ein nicht-invasives Protokoll ermöglicht nun die sichere Abgrenzung einer physiologischen von einer pathologischen Varus-Entwicklung.
Bei 155 Kindern mit physiologischem Genu varum und zehn mit Blount-Syndrom bestimmte man Progression bzw. Rückgang der O-Beine. Den Abstand zwischen den inneren Oberschenkelkondylen maß man dabei mit der einfachen Querfinger-Methode und teilte die Patienten in drei Gruppen ein: O-Beine vor dem 18. Lebensmonat (month of age=MOA; n=103), zwischen dem 13. und 23. MOA (n=47) sowie zum 24. MOA oder später (n=5). Studienparameter waren das Alter der Kinder bei folgenden Ereignissen: selbstständiges Gehen, Vorstellung beim Arzt sowie Varus-Korrektur und Verschwinden des Genu varus. Außerdem ging die Zeit zwischen Vorstellung beim Arzt und Verschwinden der O-Beine in die Analyse ein.
Die Kinder mit physiologischem Genu varum konnten früher laufen als der Durchschnitt (zehn vs. 12 bis 15 Monate; p<0,001). Nur 6% der Kinder mit O-Beinen entwickelten das Blount-Syndrom. Die Diagnose erfolgte mit durchschnittlich 23,9 Monaten. Bei Kindern mit Genu varum vor dem 18. MOA wurden erste Korrekturzeichen zwischen dem 18. und 24. MOA beobachtet. Zum 30. MOA hatten sie keine O-Beine mehr. Bei Kindern mit Genu varum zwischen dem 18. und 23. MOA traten diese Ereignisse sechs Monate später ein.
Mit der sehr simplen Querfinger-Methode,die keiner speziellen Ausbildung bedarf, lässt sich also schon im frühen Kindesalter im Rahmen der Routineuntersuchung beim Pädiater bestimmen, ob sich O-Beine zu einem Blount-Syndrom entwickeln. JD

Quelle: Dettling S et al.: Management of bow legs in children: A primary care protocol. J Fam Pract 2017; 66: E1-6
ICD-Codes: Q74.1

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