Tiefe Dyspareunie | Gyn-Depesche 3/2018

Oft ist die Blase schuld

Kanadische Gynäkologen machten sich auf die Suche nach anatomischen und klinischen Faktoren, die den Schweregrad einer tiefen Dyspareunie beeinflussen.
In einer Spezialklinik für Endometriose und Beckenschmerzen in Vancouver evaluierte man bei 548 sexuell aktiven Patientinnen im fortpflanzungsfähigen Alter die Schmerzempfindlichkeit der Beckenorgane mittels ultraschallgestützter endovaginaler Palpation. Den Schweregrad der Dyspareunie gaben die Patientinnen auf einer numerischen Schmerzskala von null bis zehn an.
Die Druckempfindlichkeit von Blase, Beckenboden, Zervix und Uterus sowie Douglas-Raum und den Ligg. sacrouterina war signifikant mit der Schwere der tiefen Dyspareunie assoziiert. Je mehr anatomische Strukturen betroffen waren, desto schmerzhafter empfanden die Patientinnen eine tiefe Penetration. Obwohl bei 38% der Frauen auch die Palpation der Adnexen Schmerzen auslöste, fand sich hier keine unabhängige Assoziation mit der Dyspareunie. Darüber hinaus zeigte sich bei Frauen, bei denen Blase oder Beckenboden druckempfindlich reagierten, eine signifikante Zunahme depressiver Symptome. Die Einnahme von Antidepressiva beeinflusste diese Assoziation nicht. Schmerzen an Uterus und Zervix traten dagegen häufiger bei Frauen auf, die bereits eine Fehlgeburt erlitten hatten. Auch der häufige Verzehr von rotem Fleisch schien die Schmerzempfindlichkeit dieser Organe zu erhöhen. CW

Quelle: Yong PJ et al.: Anatomic sites and associated clinical factors for deep dyspareunia. Sex Med 2017; 5: e184-e195
ICD-Codes: N94.1

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