Gyn-Depesche 4/2017

Progesteronsubstitution

„p-Hacking" – falsche Empfehlungen durch manipulierte Daten?

Von „p-Hacking” spricht man, wenn Studiendesigns nach dem Beginn verändert werden, um ein bestimmtes Signifikanzniveau zu erreichen. Offenbar beruht auch die durch zahlreiche Metaanalysen belegte Wirksamkeit von Gestagenen zur Prävention von Schwangerschaftskomplikationen auf einer solchen „Datenmassage“.

Wissenschaftler der Universität von Nottingham untersuchten alle verfügbaren systematischen Reviews und Metaanalysen von randomisiert-kontrollierten Studien, die Gestagene und Plazebo zur Prävention jedweder Schwangerschaftskomplikationen verglichen. Von 29 Metaanalysen kamen 19 zu dem Schluss, dass der Einsatz von Gestagenen in der Schwangerschaft effektiv ist.
Lediglich bei 22 von den enthaltenen 93 Studien wurde jedoch ein zuvor definierter primärer Studienendpunkt angegeben, der in einem Studienregister gespeichert war. Nur in diesen Fällen kann ein p-Hacking praktisch ausgeschlossen werden. Die Metaanalyse dieser 22 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schöngerechneten Studien zeigte keinen Effekt der Gestagentherapie.
Ob die geltende Empfehlung zur Progesteronsubstitution bei Schwangeren mit Zervixinsuffizienz und einem hohen Frühgeburtsrisiko tatsächlich begründet ist, erscheint damit zumindest äußerst zweifelhaft. Auch größere neue, qualitativ hochwertige und registrierte Studien fanden keinen Beleg für die Wirksamkeit. CW

Quelle:

Prior M et al.: Inadvertent P-hacking among trials and systematic reviews of the effect of progestogens in pregnancy? A systematic review and meta-analysis. BJOG 2017; 124: 1008-15



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