Stressinkontinenz | Gyn-Depesche 5/2018

Pessare first!

Ein gut angepasstes Pessar kann bei vielen Frauen die Beschwerden durch eine Belastungsinkontinenz verringern. Ein systematischer Review gibt einen Überblick über die aktuelle Datenlage.

Neben der Reduktion von Übergewicht, Nikotinverzicht, Miktions- und Beckenbodentraining erwies sich in den ausgewerteten Studien die Anwendung von Pessaren als eine der am häufigsten beschriebenen und am besten untersuchten Maßnahmen. Inkontinenzpessare werden in die Scheide eingeführt, unterstützen dort die Harnröhren- und Blasenwand und sorgen für eine leichte Kompression der Urethra – ähnlich wie eine operativ eingesetzte vaginale Schlinge. Am weitesten verbreitet zur Behandlung der Stressinkontinenz sind Ring-oder Scheibenpessare.
Entscheidend für den Behandlungserfolg und die Patientenadhärenz ist die erfolgreiche Größenanpassung. Zwischen Scheidenwand und Pessar sollte noch ein Finger eingeschoben werden können, beim Valsalva-Manöver oder Wasserlassen muss es an Ort und Stelle bleiben und es darf keine Schmerzen oder Missempfindung verursachen. Die Weiterführungsrate liegt dann bei bis zu 90%. Obwohl einzelne Studien durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen kurzfristig eine stärkere Verbesserung erzielten als durch die Pessartherapie, war die langfristige Erfolgsrate vergleichbar. Nebenwirkungen wurden selten beobachtet und bestanden meist aus vaginalem Ausfluss und Geruchsbildung.
Aufgrund der geringen Kosten, einfachen Anwendung und seltenen Nebenwirkungen empfehlen die Autoren Pessare zur konservativen First-line-Therapie der Stressinkontinenz bei Frauen jeden Alters mit oder ohne Beckenbodensenkung. Kontraindikationen bestehen nur bei einer Allergie gegen Silikon, schweren Ulzera oder einer akuten Infektion des Urogenitaltrakts. CW

Quelle:

Al-Shaikh G et al.: Pessary use in stress urinary incontinence: a review of advantages, complications, patient satisfaction, and quality of life. Int J Womens Health 2018; 10: 195-201

ICD-Codes: N39.3

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