Ovarialkarzinom

Gyn-Depesche 2021/2

Pille schützt auch Frauen mit BRCA-Mutation

Die Einnahme oraler Kontrazeptiva senkt das Risiko für Eierstockkrebs um mehr als die Hälfte. Das gilt offenbar auch für die Subpopulation der BRCA1/2-Mutationsträgerinnen. Sollten orale Kontrazeptiva in diesem Risikokollektiv folglich zur Krebsprävention eingesetzt werden?

Bisherige Studien dazu, ob und in welchem Maße orale Kontrazeptiva das Eierstockkrebs-Risiko bei Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation mindern, sind wegen methodischer Mängel nur begrenzt aussagekräftig. In der Allgemeinbevölkerung ist ein protektiver Effekt dagegen gut belegt. Eine retrospektiv angelegte, internationale Kohortenstudie an 3.989 ­Frauen mit BRCA1-Mutation und 2.445 mit BRCA2-Mutation hat nun belegt, dass orale Kontrazeptiva auch in diesem Risikokollektiv vor Ovarialkarzino­men schützen. Im Gegensatz zu früheren Studien wurden die Daten auf einen potenziellen Überlebens-Bias korrigiert.
Für BRCA1-Mutationsrägerinnen erwies sich die Dauer der oralen Kontrazeption als herausragender Schutzfaktor: Im Vergleich zu Frauen, die weniger als fünf Jahre orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, lag das Risiko für Eierstockkrebs bei denjenigen mit einer Anwendungsdauer von mehr als zehn Jahren um 63 % niedriger. Die Assoziation blieb für mehr als 15 Jahre nach dem Pillenstop bestehen.
Eine ähnliche Risikoreduktion durch orale Kontrazeptiva zeigte sich auch bei Frauen mit BRCA2-Mutation, aufgrund der breiteren Konfidenzintervalle waren die Daten jedoch weniger aussagekräftig.
Wegen des gleichzeitig erhöhten Brustkrebsrisikos sei die Pilleneinnahme als Maßnahme zur Prävention von Eierstockkrebs bei Frauen mit BRCA-Mutation dennoch nicht geeignet, so die Studienautor:innen. Zudem würden bis zu 75 % der Mutationsträgerinnen einer prophylaktischen Salpingo-Oophorektomie zugeführt, eine Mastektomie erhielten dagegen nur etwa 44 %. RG

Quelle: Schrijver LH et al.: Oral contraceptive use and ovarian cancer risk for BRCA1/2 mutation carriers: an international cohort study.
Am J Obstet Gynecol 2021; S0002-9378(21)00038-7
ICD-Codes: C56 , Z30.-
Urheberrecht: Piman Khrutmuang
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