Postpartale Depression | Gyn-Depesche 4/2015

Prävalenz-Peak nach vier Jahren

Postpartale Depressionen gelten als perinatales Phänomen. Wie aber sieht die Situation in den ersten Jahren nach der Geburt aus?

Den zeitlichen Verlauf postpartaler Depressionen untersuchten Forscher an etwa 1500 Primiparae. Die erste Prävalenzbestimmung mittels Edinburgh Postnatal Depression Scale-Score erfolgte im Schnitt in der 15. SSW, weitere Erhebungen postpartal nach drei, sechs, zwölf und 18 Monaten und vier Jahren. 31,4% der Teilnehmerinnen wiesen mindestens einmal depressive Symptome auf. Bei 22,5% lag eine Depression in der frühen Schwangerschaft oder in den ersten zwölf Monaten nach der Geburt vor. Die wenigsten Depressionen zeigten sich drei Monate post partum (8,1%). Erst nach vier Jahren erreichte die Depressionsprävalenz einen postpartalen Spitzenwert mit 14,5%. Dabei handelte es sich nicht um wiederholte depressive Phasen durch nachfolgende Schwangerschaften – im Gegenteil: Einfache Mütter litten mit etwa doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit an Depressionen als mehrfache (22,9 vs. 11,2%; OR 2,34). Teilweise ließ sich dies auf das höhere Vorkommen sozialer Probleme in dieser Gruppe zurückführen. Fälle von Partnermissbrauch im vorangegangenen Jahr erhöhten die Depressionswahrscheinlichkeit vier Jahre post partum um das Vierfache. Postpartale Depressionen sind folglich ein Problem, das nicht nur die perinatale Zeit betrifft, sondern auch die ersten Jahre der Mutterschaft. OH


Quelle:

Woolhouse H et al.: Maternal depression from early pregnancy to 4 years postpartum in a prospective pregnancy cohort study: implications for primary health care. BJOG 2015; 122(3): 312-21

ICD-Codes: F53.0

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