Abortrisiko | Gyn-Depesche 4/2020

Progesteronspiegel sagt Risiko voraus

Ob orales Progesteron eine drohende Fehlgeburt verhindern kann, ist umstritten. Zumindest bei Frauen mit einem höheren Serumspiegel ist es offenbar verzichtbar.
In einer großen Entbindungsklinik in Singapur bestimmte man bei 1.087 Frauen in der Frühschwangerschaft den Serum- Progesteronspiegel. Alle Frauen waren in der 5. bis 12. SSW mit vaginalen Blutungen und/oder Schmerzen in die Klinik gekommen. Lag der Progesteronwert unter 35 nmol/l, ging man von einem hohen Fehlgeburtsrisiko aus und behandelte die Schwangeren mit oralem Dydrogesteron. Bei einer höheren Serumkonzentration erhielten die Frauen keine Gestagentherapie.
Von den 240 Frauen aus der Hochrisikogruppe erlitten 170 (70,8 %) bis zur 16. SSW einen Spontanabort. In der Vergleichsgruppe mit höherem Serumprogesteron war dies nur bei 9,6 % der Fall. Damit unterschied sich die Fehlgeburtenrate in dieser Gruppe nicht signifikant von derjenigen in der vorangegangenen Validierungsstudie – in der aber alle Frauen Dydrogesteron bekommen hatten. In beiden Gruppen schien ein höherer Progesteronspiegel protektiv zu wirken. In der Hochrisikogruppe hatte das Serumprogesteron bei den Frauen mit einer späteren Fehlgeburt zu Beginn bei 18,0 nmol/l gelegen, bei denen mit weiterhin bestehender Schwangerschaft bei 27,5 nmol/l.
Die Studienergebnisse untermauern einerseits die Bedeutung des Serumprogesterons für den Erhalt der Schwangerschaft. Auf der anderen Seite zeigen sie erstmals, dass man bei Frauen mit vaginalen Blutungen und/ oder Schmerzen auf eine Progesterongabe verzichten kann, wenn ihr Serumspiegel über 35 nmol/l liegt. CW
Quelle: Tan TC et al.: Novel approach using serum progesterone as a triage to guide management of patients with threatened miscarriage: a prospective cohort study. Nature Sci Rep 2020; 10(1): 9153
ICD-Codes: O20.0

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