Extreme Frühchen | Gyn-Depesche 1/2016

Psychische Gesundheit im Alter von 30

Kanadische Psychiater untersuchten in einer prospektiven Längsschnittstudie, ob Menschen, die als extreme Frühgeburten auf die Welt kamen, in der dritten Lebensdekade vermehrt unter psychiatrischen Störungen oder psychischen Problemen litten. Es handelt sich um die weltweit am längsten nachbeobachtete Kohorte extremer Frühchen.

Verglichen wurden 84 Neugeborene <1000 g Körpergewicht mit 90 Personen mit normalem Geburtsgewicht (≥2500 g). Anhand des Mini-International Neuropsychiatric Interview (MINI) erfasste man neun häufige psychiatrische Diagnosen (ausgenommen Essstörungen, Psychose und Suizidalität). Ferner berechnete man das Risiko für eine psychiatrische Störung in einer Subgruppe von 26 Personen, die „small for gestational age“ (SGA: Gewicht <10. Perzentile des Gestationsalters) waren, sowie in einer Subgruppe von 24 Teilnehmern, deren Mütter in der Schwangerschaft Kortikosteroide erhalten hatten. Die Gesamtgruppe der extremen Frühchen zeigte eine geringere Wahrscheinlichkeit für Substanzabhängigkeit/-missbrauch (OR 0,38), aber eine höhere für nicht-substanzgebundene psychiatrische Störungen (OR 2,47). Die SGAGruppe zeigte ein ähnliches Risikomuster mit höheren Effektstärken (OR 0,11 bzw. 3,82).
Antenatal Kortikosteroid-exponierte Frühchen hatten noch höhere Risiken für psychische Erkrankungen, vor allem generalisierte Angststörungen (OR 3,42), den generalisierten Typ einer sozialen Phobie (OR 5,80) und ADHS vom Unaufmerksamkeits- Typ (OR 11,45). Bei ihnen war das Risiko für substanzbezogene Störungen nur tendenziell verringert (OR 0,74). Zudem deutete sich dabei eine von der Steroid-Dosis abhängige Risikoerhöhung an. JL

Quelle:

Van Lieshout RJ et al.: Mental health of extremely low birth weight survivors in their 30s. Pediatrics 2015; 135(3): 452-9

ICD-Codes: P07.3

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